Marktplatz in Indien, Neu Delhi

© AP/Altaf Qadri

Chronik | Welt
06/17/2019

UNO: Bis 2100 leben elf Milliarden Menschen auf der Erde

Das stärkste Wachstum wird für Afrika prognostiziert. Indien dürfte China als Land mit den meisten Einwohnern überholen.

Das rasante Wachstum der Weltbevölkerung setzt sich fort. Nach neuesten Projektionen der UNO wird die Bevölkerungszahl von derzeit rund 7,7 Milliarden Menschen bis 2050 auf 9,7 Milliarden steigen. 10,9 Milliarden werden es  demnach 2100 sein.

Indien zieht demnach 2030 als bevölkerungsreichstes Land an China vorbei. Bis 2050 wird mehr als die Hälfte des weltweiten Bevölkerungswachstums vor allem in neun Ländern stattfinden - in Indien, Nigeria, Pakistan, Äthiopien, Tansania, Indonesien, Ägypten sowie in den USA und in der Demokratischen Republik Kongo.

Indien wächst, China schrumpft

Für Indien verzeichnet der Bericht derzeit eine Bevölkerung von 1,36 Milliarden Menschen. Die Milliardenschwelle wurde demnach 1997 überschritten. China riss diese Marke schon 1980 und liegt derzeit bei 1,43 Milliarden Menschen. In China wird aber erwartet, dass schon bald eine Stagnation und dann etwa ab dem Jahr 2030 ein allmählicher Schrumpfungsprozess einsetzt. Dagegen prognostizieren die Experten den Beginn der Schrumpfung für Indien erst ab etwa 2045.

In einer Reihe von Ländern wird die Sterberate dem UN-Bericht zufolge die Geburtenrate übersteigen - in Deutschland, Estland, Ungarn, Italien, Japan, Russland, Serbien, Weißrussland und in der Ukraine. Der Bevölkerungsverlust werde jedoch vielerorts durch Zuwanderung ausgeglichen.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) veröffentlichte am Montag die UN-Projektionen, wonach die Fertilität in den meisten Ländern in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen ist. Doch gerade in Afrika sei sie weiterhin hoch und sinke vergleichsweise nur langsam. Frauen in Afrika bekommen demnach derzeit durchschnittlich 4,4 Kinder - deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau.

Hohe Geburtenrate in Afrika und Lateinamerika

Die UNO geht in ihren Projektionen davon aus, dass die Fruchtbarkeitsrate auch in Afrika bis 2100 auf 2,1 Kinder pro Frau sinkt. Wegen der sehr jungen Altersstrukturen werden die Bevölkerungen in Afrika aber dennoch für einige Zeit wachsen. In Ländern südlich der Sahara und in Lateinamerika bekommen demnach vor allem Jugendliche weiterhin viele Kinder.

Zwischen 2015 und 2020 werden weltweit Schätzungen zufolge 62 Millionen Babys geboren, deren Mütter zwischen 15 und 19 Jahre alt sind.

DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr verwies auf die Gefahren durch das steigende Bevölkerungswachstum. Bereits die heutige Bevölkerungszunahme stelle die Entwicklungsländer vor große Herausforderungen. In Afrika wird sich die Bevölkerung laut dem Bericht von heute knapp 1,3 Milliarden Menschen auf voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Menschen im Jahr 2050 fast verdoppeln. Bis 2100 wird die Bevölkerung in Afrika dann noch einmal um fast zwei Milliarden auf rund 4,3 Milliarden Menschen wachsen.

Freier Zugang zu Verhütungsmitteln

Bähr forderte eine Intensivierung der Beratung von Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern. "Angesichts der Tatsache, dass rund 214 Millionen Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern bis heute keinen Zugang zu Familienplanungsangeboten haben, sehe ich die Rückgänge bei der Fertilität in Gefahr", erklärte sie.

Frauen müsse daher der Zugang zu Verhütungsmitteln verschafft werden. Zugleich forderte Bähr, die Lebensbedingungen und Zukunftschancen von Mädchen und Frauen durch Aufklärung, Bildung und Beschäftigungsmöglichkeiten zu verbessern. Nur dann seien die neuen UN-Projektionen realistisch.

2050: 77,1 Jahre Lebenserwartung

Die Zunahme der Weltbevölkerung ist nicht nur von der Entwicklung der Geburtenrate abhängig, sondern auch von der Lebenserwartung. Bei einer Geburtenrate von 2,1 wäre langfristig ein Generationenwechsel ohne starke Schwankungen der Einwohnerzahl eines Landes zu erwarten.

Solange jedoch die Lebenserwartung steigt, nimmt die Bevölkerung zu. Derzeit liegt die Lebenserwartung im Weltmaßstab bei 72,6 Jahren, bis 2050 dürfte sie auf 77,1 Jahre ansteigen.