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Chronik Welt
01/30/2020

"Und überlass uns nicht der Versuchung": Neuer Text für Vaterunser

In italienischen Messbüchern wird die Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" ab 29. November abgeändert.

Italiens Katholiken müssen sich an ein anderes Vaterunser gewöhnen: Die Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" lautet in der offiziellen Fassung künftig sinngemäß "überlass uns nicht der Versuchung". Der Theologe und Erzbischof Bruno Forte begründete die Änderung gegenüber dem Onlineportal Vatican News damit, die neue Übersetzung sei näher am Sinn des griechischen Originals.

Ein entsprechend geändertes italienisches Messbuch soll laut Forte nach Ostern erscheinen. Mit Beginn des neuen Kirchenjahrs am kommenden ersten Advent (29. November) tritt die Neuerung in Kraft.

Forte sagte, den Gläubigen sollte die Umstellung keine großen Probleme bereiten. Die veränderte Übersetzung solle helfen, das Vaterunser "bewusster zu beten und näher an dem, was die Intention Jesu war", so der Erzbischof von Chieti-Vasto, der mehrere Jahre Mitglied der Internationalen Theologenkommission im Vatikan war.

Gott stellt keine Falle

Die Probleme aus der alten Übersetzung "in Versuchung führen" erklärte Forte mit einer Bedeutungsverschiebung. Dass Gott "uns irgendwie eine Falle stellt", sei "eine absolut nicht hinnehmbare Vorstellung", so der Dogmatiker.

Die Italienische Bischofskonferenz hatte die Änderung bereits für die 2008 veröffentlichte neue italienische Bibelübersetzung beschlossen. Darin werden die beiden Vaterunser-Verse in den Evangelien nach Matthäus (Kapitel 6) und nach Lukas (Kapitel 11) jeweils übersetzt mit "non abbandonarci alla tentazione" ("überlass uns nicht der Versuchung"). Die ältere Version lautete: "non ci indurre in tentazione" ("und führe uns nicht in Versuchung"). Nun wird die Änderung auch in die neue Ausgabe des Messbuchs für Italien einfließen.

Angestoßen hatte die Diskussion bereits vor einiger Zeit Papst Franziskus. Die - im Italienischen und im Deutschen ähnlich übersetzte - Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" sei "keine gute Übersetzung", sagte das katholische Kirchenoberhaupt einem italienischen Sender im Dezember 2017. Es sei nicht Gott, sondern der Satan, der den Menschen in Versuchung führe. Ein Vater mache so etwas nicht, sondern helfe, wieder aufzustehen.

In Frankreich beten die Gläubigen das Vaterunser bereits seit Anfang Dezember 2017 in der geänderten Fassung. Auch in Deutschland hatten Theologen nach der französischen Initiative gefordert, die Übersetzung anzupassen. Die deutsche Bischofskonferenz lehnte eine Änderung aber im Januar 2018 unter Verweis auf "philologische, exegetische, liturgische oder nicht zuletzt auch ökumenische Gründe" ab. Die Evangelische Kirche in Deutschland hatte zuvor ebenfalls bekundet, sie sehe keinen Änderungsbedarf.

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