Eine Sandmine im texanischen Kosse.

© AP/Brett Coomer

Chronik | Welt
05/07/2019

UN-Studie warnt: Der Sand wird knapp

Gravierende Umweltschäden: Die Vereinten Nationen fordern eine strenge Regulierung der Ressource Sand.

Eine aktuelle Studie des UNO-Umweltprogramms (UNEP) zeigt eine besorgniserregende Entwicklung. Demnach führt der unregulierte Abbau von Sand zu weitreichenden Umweltschäden, wie tiefgehenden Bodenverunreinigungen sowie ausgewaschenen Flüssen und Küsten. Außerdem befördere der Abbau die Kriminalität, so die Autoren von UNEP: "Sand-Mafias blühen und der Bedarf steigt."

Sand- und Kiesressourcen sind dem Report zufolge die zweitgefragteste Ressource der Welt – nach Wasser. Pro Jahr werden etwa 40 bis 50 Milliarden Tonnen Sand gefördert. Die Fördermenge steigt dabei jährlich um etwa 5,5 Prozent.

Boomende Baubranche

Der Hauptgrund dafür ist die hohe Nachfrage nach Sand in der boomenden Baubranche. Der größte Importeur von Sand ist der ständig wachsende Stadtstaat Singapur. Die Landfläche von Singapur hat sich in den vergangenen 40 Jahren um 130 Quadratkilometer vergrößert.

Dafür wurde eine geschätzte Menge von 500 Millionen Tonnen Sand benötigt. Zum Vergleich: Für den Bau eines durchschnittlichen Hauses sind etwa 200 Tonnen Sand notwendig. Auch für den Bau von Autobahnen eignet sich Sand vorzüglich.

UN fordert strenge Regulierung

Das bleibe nicht ohne Konsequenzen: "Wir verbrauchen unser Sand-Budget schneller, als wir den Rohstoff nachhaltig fördern könnten", stellt Joyce Msuya, Direktorin des UN-Umweltprogramms fest. Eine strenge Regulierung des Sandabbaus sei dringend notwendig: "Dann können Infrastruktur und Natur Hand in Hand gehen", so Msuya. Außerdem müsse die Gesellschaft über Sandalternativen in der Baubranche nachdenken.

Keine Lösung sei jedenfalls Wüstensand. Er ist grundsätzlich nicht für Bauvorhaben geeignet, da er vom Wind so glattgeschliffen wird, dass ihn herkömmlicher Zement nicht zusammenhält. Erfolgreiche Experimente mit sogenanntem Polymerbeton zeigen, dass das Bauen mit Wüstensand theoretisch möglich wäre. Im Polymerbeton wird kein Zement, sondern Kunststoff als Bindemittel eingesetzt.

In der Baubranche konnte er sich offenbar noch nicht etablieren. Somit wird vorzugsweise auf Strandsand zurückgegriffen, was das Verschwinden ganzer Strände zur Folge hat.

Sandstrandmafia

Hier kommt die bereits zitierte Sand-Mafia wieder ins Spiel. Einer der spektakulärsten Fälle von Sanddiebstahl ereignete sich 2008 in Jamaika, als Diebe unbemerkt 500 Lkw-Ladungen Sand abtransportierten.

Der 400 Meter lange Strand von Coral Spring war damit beinahe zur Gänze verschwunden. Insbesondere in Drittweltstaaten in Afrika und Südostasien gibt es immer mehr Fälle von illegalem Sandabbau.