Chronik | Welt
28.11.2018

Toter Missionar bleibt beim Steinzeitvolk der Sentinelesen

Ein Amerikaner wollte die Botschaft Jesu auf der verbotenen Inselverkünden und wurde mit Pfeilen ermordet.

„Ihr haltet mich vielleicht für verrückt, aber ich denke, das alles ist es wert, um diesen Leuten Jesus zu verkünden“, schrieb der 27-jährige Missionar John Chau seiner Familie. Dann ließ er sich von Fischern zur verbotenen Nord-Sentinel-Insel bringen und paddelte im Kajak zum Strand.

Der Leichnam des von den Ureinwohnern mit Pfeilen ermordeten Missionars bleibt wohl für immer auf der verbotenen Insel. Mordermittlungen wird es nicht geben.

Denn das abgeschottet lebende Volk der Sentinelesen, vermutlich das letzte Steinzeitvolk, soll nicht mit weltlicher Gerichtsbarkeit behelligt werden. Darauf einigten sich knapp zwei Wochen nach dem Todesfall der Polizeichef der Inselkette der Andamanen Dependra Pathak in Port Blair mit dem heute 84-jährigen Anthropologen Trilok Nath Pandit.

Feindselige Stimmung

Pandit ist eine Autorität. Ab 1967 unternahm er mehrere Expeditionen zu den 60 bis maximal 100 dort lebenden Menschen. Er bekam keinen Kontakt. Pandit hinterlegte Geschenke wie Kokosnüsse, Metallgegenstände und lebende Schweine am Strand und beobachtete aus sicherer Entfernung im Wasser die Reaktionen der Sentinelesen. Ihre feindselige Stimmung änderte sich nie.

Denn in diesem indigenen Völkchen ist offenbar die Erinnerung an erlittenes Unglück nie erloschen. So verschleppten 1879 die britischen Kolonialherren ein älteres Ehepaar und mehrere Kinder nach Port Blair. Ein Offizier beschrieb, dass die Gruppe schnell erkrankte, die Erwachsenen starben, die Kinder wurden wieder heimgeschickt. Die Folgen sind nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, dass die Kinder weitere Inselbewohner ansteckten.

Die Sentinelesen haben keine Abwehrkräfte gegen westliche Krankheitserreger. Andere indigene Völker auf den Andamanen wurden durch Gewalt und Krankheiten ausgelöscht. Darum ist die indische Regierung auch darauf bedacht, die Sentinelesen in Ruhe zu lassen.

„Wir verstehen ihre Sprache nicht, aber es war nicht schwer, zu verstehen, dass sie uns nicht auf ihrer Insel haben wollten“, erklärt Pandit. Daran hätte sich auch der junge Amerikaner halten sollen. „Er hat sie provoziert, nachdem sie deutlich gemacht hatten, dass er nicht willkommen war“, sagt der Forscher.

John Chau hatte sich bereits einmal zur Insel bringen lassen, und war dann voller Panik mit seinem Kajak davon gepaddelt. Ein Pfeil hatte seine Bibel erwischt. Er wollte daraus nicht lernen.