Staatsanwältin Mary Carmack-Altwies

© APA/AFP/NICK LAYMAN

Chronik Welt
10/28/2021

Tod am Filmset: Wie kam die scharfe Patrone in die Waffe?

Im Zentrum der Ermittlungen um das Unglück beim Baldwin-Film stehen der Regie-Assistent sowie die 24-jährige Waffenmeisterin.

von Dirk Hautkapp

Bei dem tödlichen Zwischenfall an einem Film-Set in den USA vor einer Woche zeichnet sich der erste Mitschuldige ab: Bevor er einen Revolver, den er als „nicht geladen“ kategorisierte, dem Schauspieler Alec Baldwin für eine Szene bei Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ zusteckte, hat sich der zuständige Regie-Assistent Dave Halls nach eigenen Worten nicht sorgfältig genug vom Zustand der Waffe überzeugt.

Das geht aus Gerichtsunterlagen der Justiz in Santa Fe (New Mexico) hervor, wo vor einer Woche die Kamerafrau Halyna Hutchins (42) laut Polizei durch eine „Bleikugel“ aus eben jener Waffe starb, die Baldwin auf sie gerichtet hatte – nicht ahnend, dass sie scharf geladen war. Halls hatte gegenüber der Polizei ausgesagt, er hätte sämtliche Patronen, die in dem antiken Colt steckten, überprüfen sollen, was er aber nicht getan habe. Warum? Offen. Halls konnte sich später an drei Patronen erinnern.

Nachdem der tödliche Schuss gefallen war, der auch den hinter Hutchins stehenden Regisseur Joel Souza an der Schulter traf, wo die Kugel letztlich entdeckt wurde, begutachtete Halls gemeinsam mit der Waffenmeisterin Hannah Gutierrez die Waffe und stellte plötzlich fünf Patronenhülsen in der Revolver-Trommel fest; vier Schein- oder Blindpatronen, zu erkennen an einem kleinen Loch an der Seite - und eine ohne Loch.

Dabei handelte es sich laut Polizei um die Hülse, aus der das für Hutchins tödliche Projektil stammte. Wie die scharfe Patrone in die Waffe geraten ist, wann und durch wen, ist laut Staatsanwältin Mary Carmack-Altwies eine zentrale, aber noch unbeantwortete Frage.

„Bequemlichkeit“ am Set

Welche Rolle Waffenmeisterin Gutierrez dabei spielte, ist noch unklar. Die 24-Jährige, die auf wenig Berufserfahrung zurückblickt, hatte in ihrer Vernehmung ausgesagt, dass sie die Waffe vor den Dreharbeiten gecheckt und dabei keine scharfe Munition gefunden habe. Während einer Essenspause seien die spätere Tatwaffe und andere Pistolen in einem Safe aufbewahrt worden, zu dem nur wenige Personen auf dem Film-Set Zugang gehabt hätten. Allerdings habe sie diverse Munition unbeaufsichtigt auf einem Gerätewagen zurückgelassen.

Schlampig und unerfahren

Über Halls wie Gutierrez gibt es seit Tagen in den USA Medienberichte von früheren Film-Engagements, die beide als entweder schlampig oder unerfahren im Umgang mit Waffen bei Dreharbeiten charakterisieren. Halls wurde deshalb 2019 sogar von einem Film-Set gefeuert. Der verantwortliche Sheriff Adan Mendoza sprach am Mittwoch zumindest von „Bequemlichkeit“ bei der Handhabung von Waffen am Set.

Ob die neuen Erkenntnisse strafrechtlich relevant sind, ist offen. Ermittelt wird weiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Die Staatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch, alle Optionen seien auf dem Tisch. Zum jetzigen Zeitpunkt sei noch nicht abzusehen ob, und wenn ja, gegen wen Anklage gestellt werden könnte.

Davon unbeschadet sind etwaige zivilrechtliche Ansprüche, die der Witwer von Hutchins, der künftig den gemeinsamen neunjährigen Sohn Andros allein erziehen muss, stellen könnte.

Gegen wen? Unter anderem gegen den Mit-Produzenten des Films, der vermutlich nie zu Ende gedreht wird: Alec Baldwin.

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