Chronik | Welt
08.07.2018

Thailand: Vier Buben sind gerettet, die anderen müssen noch warten

Die dramatische Rettungsaktion, bei der 18 Taucher ihr Leben riskierten, wird am Montag fortgesetzt.

Den Startschuss zur Rettungsaktion gab ein australischer Arzt und Rettungstaucher. Er war vom vierköpfigen britischen Team, das die zwölf Buben und ihren Trainer vorigen Montag nach neun Tagen lebend in der Höhle gefunden hatte, gebeten worden, nach Thailand zu kommen. Der extrem erfahrene Mann hat den 14-jährigen Abdul Sam-on als stärksten und geschicktesten Buben der Gruppe identifiziert. Er musste deshalb als erster den Tauchgang wagen, in einer Gruppe von vier Buben, berichtete die Bangkok Post. Die weiteren Mitglieder des Fußballklubs und ihr Trainer kamen dann in drei Dreiergruppen an die Reihe.

Der Australier gab Sonntag Früh das „Go“ zur Rettungsaktion. 18 Taucher, 13 internationale und fünf von der Spezialeinheit der Thai Navy Seals setzten sich daraufhin in Bewegung, im vollen Bewusstsein, dabei das eigene Leben zu riskieren. Zehn Taucher drangen offenbar zu den Kindern vor und holten die erste Gruppe um Adul Sam-on ins Wasser. Der 14-Jährige, der als einziger in seiner Kirchengemeinde Englisch lernte, hatte als einziger mit den britischen Tauchern kommunizieren können.

Die Bangkok Post berichtete, dass der Trainer der Fußballmannschaft, der 25-jährige Ekkapol Chantawong, die Höhle als Letzter in einer Gruppe von drei zu Rettenden verlassen würde. Der Coach, ein ehemaliger Mönch, soll mit den Buben meditiert haben und sie so über die langen 15 Tage gebracht und auf den gefährlichen Tauchgang vorbereitet haben, damit keines der Kinder in Panik verfallen würde.

Die ersten Zwei

Sonntag um 13.51 Uhr (MEZ) kam die erste erlösende Nachricht, dass es zwei Buben aus der Tham Luang-Khun Nam Nang Non Höhle im Norden Thailands geschafft hätten. Die Nachrichtenagentur Reuters und die Bangkok Post meldeten, dass zwei Buben das Tauchen mehr oder weniger gut überstanden hätten, und nun das letzte Drittel des Weges aus der Höhle zu Fuß gehen könnten. Vier Kilometer waren zu meistern, doch zum Glück konnte so viel Wasser abgepumpt werden, dass die hochgefährlichen Tauchgänge auf ein Minimum reduziert werden konnten. An der einen gefährlichen Stelle, wo die Taucher sogar die Flasche ablegen mussten, um durchzukommen, wurde offenbar an diesem Sonntag „gezaubert“. Dort, wo am Freitag ein 38-jähriger, durchtrainierter Elitesoldat ums Leben gekommen war, holten die Retter die Buben offenbar so geschickt durch die Engstelle, dass keine große Panik aufgekommen war.

Schon kurz nach 14 Uhr stieg der erste Rettungshubschrauber auf. Zwei Krankenwagen rasten los. Die Buben wurden ins etwa 60 Kilometer entfernten Prachanukroh-Krankenhaus in der Stadt Chiang Raiins gebracht, wo ein ganzes Stockwerk und 13 Ärzteteams für sie bereitstanden. Dann hieß es, ein dritter Bub habe es geschafft, ihm ginge es aber offenkundig nicht so gut. Um 15 Uhr wurde dann bestätigt, dass die vier Buben der ersten Gruppe gerettet sind.

Und dann begann wieder das bange Warten – und zunächst kam auch keine Bestätigung von offizieller Seite.

Um 15.35 Uhr wurden gemeldet, dass bereits sechs Buben aus der Höhle gerettet wurden, was sich aber als falsch erwiesen hat.

Vier Buben gerettet

Am Sonntag wurde die erste Gruppe von vier Buben gerettet. Mehr war nicht drinnen, die Taucher waren zu erschöpft, andere Retter wurden nicht mehr eingesetzt. Nach einer Pause von zehn bis 24 Stunden, je nach den äußeren Bedingungen, sollte es am Montag weiter gehen.

Starbesetzung

Bei den Tauchern handele es sich um die „Starbesetzung“, sagte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai Narongsak Osotthanakorn. „Die Burschen sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen.“

Ihre Eltern hatten dem Rettungseinsatz zustimmen müssen. Ein Vater sagte: „Hauptsache wir sind wieder zusammen, dann essen wir alle gebratenes Hühnchen.“

In Thailand wurde Sonntag Abend nicht geschlafen. Gebannt hörten die Menschen die Nachrichten, die aber nur spärlich eintrudelten. Und das Zittern, Bangen und Beten geht weiter.

 

Für Montag hat sich der thailändische Premierminister und Führer der Militärjunta am mit dunkelgrünen Planen verhängten Höhleneingang angesagt. Sein erster Besuch in der vergangenen Woche mit Verwandten und Rettungskräften wurde von vielen Thailändern als opportunistisch kritisiert.

Gut gefunden haben die Menschen dafür eine Aktion der Spezialkräfte der Navy Seals. Auf Facebook posteten sie Sonntag Früh ein hoffnungsvolles Bild. „Wir, die Thai Navy Seals, sind gemeinsam mit einem internationalen Taucher-Team bereit, die Fußballmannschaft nach Hause zu holen!“

Jetzt heißt es wieder – Daumen drücken, ganz fest.