Chronik | Welt
04.07.2018

Thailand: Kinder erhalten Tauchtraining

Monsunregen in den kommenden Tagen: Retter müssen Buben in thailändischer Höhle schnell bergen.

Die Retter wollen jetzt sehr schnell handeln, denn die Wetterberichte kündigen für Freitag schwere Monsunregen, ja Stürme an. „Wenn das passiert, ist es fast unmöglich, mit den eingeschlossenen Kindern in der Tham-Luang-Höhle in Kontakt zu bleiben“, sagte der Koordinator des Taucherteams, Ruengrit Changkwanyuen.

Ob er damit den Startschuss gab, dass es losgeht, blieb Spekulation.

Während der redselige Gouverneur der nördlichen Provinz Chiang Rai, Narongsak Osotthanakorn, wie ein Pascha vor einer Art Festhütte beim Höhleneingang auf dem schlammigen Boden Hof hielt und schon davon träumte, hier einmal eine Touristenattraktion zu schaffen, waren die Rettungstaucher und Militärs weniger gesprächig.

Nur so viel: Keines der Kinder könne schwimmen, was sie aber auch nicht müssten. Alle wissen, dass sie durchs Wasser gezogen werden, und kein einziger hätte sich dagegen gewehrt. Fast alle stellten sich beim Atmen mit den Mundstücken geschickt an. „Sie üben, die Masken aufzusetzen und zu atmen“, sagt der Gouverneur.

Alle zusammen

Die Retter wollen die Gruppe auf keinen Fall trennen und zum Beispiel mit den Besseren vorausgehen. Das würde nur den psychischen Druck erhöhen. Es soll so lange gewartet werden, bis alle bereit sind. Man hofft, dass man noch genug Wasser aus der Höhle pumpen kann, denn die Strömung ist stark.

Auf Videos sind die zwölf Jugendlichen und ihr Trainer in Wärmeschutzfolien gehüllt zu sehen – Bilder zeigen, wie sie versorgt werden. Ein Arzt, ein Sanitäter und bis zu sieben Taucher waren ständig bei der Gruppe. Man versuchte zu scherzen und die 11- bis 16-Jährigen und ihren 25-jährigen Trainer mental stark zu machen.

Rettungsexperten konnten sich vorstellen, dass die Jugendlichen leicht sediert würden, bevor sie von jeweils zwei bis drei Rettungstauchern unter die Fittiche genommen und aus der Höhle gebracht werden.

Heldenhafter Trainer

Offenbar ist der 25-jährige Trainer der Fußballmannschaft in einem schlechteren Zustand als die Buben. Er habe ihnen den ganzen Proviant überlassen und die Burschen durch die neun langen Tage

in der Dunkelheit gebracht, ohne, dass Panik aufgekommen wäre. Jetzt ist er total erschöpft. „Der Trainer liebt sie“, sagt die Großmutter des elfjährigen Chanin Vibulrungreung, des jüngsten Kindes der Gruppe. Chanin wünsche sich schon lange ein neues Fahrrad. Das wird er nach seiner Rettung bekommen. „Ich will, dass er es sich selbst im Geschäft aussucht“, sagte sein Onkel der dpa.

Etwas abseits vom Höhleneingang ging es am Mittwoch zu wie in einer chaotischen Kleinstadt. Vor der Hütte, wo sich der Gouverneur aufhält, tummelten sich Presseleute, Kamerateams und Verwandte der Vermissten. Garküchen sind aufgestellt. Die Stimmung ist total optimistisch.

Der Höhleneingang ist vom Militär abgeriegelt. Dort liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Taucher arbeiteten im Schichtdienst an Sicherungen. Die erfahrenen Ausländer und viele thailändische „Seals“ wurden geschont. Sie sollten die Kinder herausholen.