Demo in Amsterdam gegen Ausgangssperre begann am Sonntag ganz friedlich

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Chronik Welt
01/25/2021

Niederlande: Sex in Corona-Zeiten? Regierung gibt Tipps

Sex als Ventil in der Pandemie - das war die Idee. Doch Frust und Zorn explodierten am Sonntag in Gewalt.

von Ulrike Botzenhart

Zwischen zwei Niederländer muss immer ein 1,5-Meter-Abstand passen, soweit die Corona-Regel der Niederländer. Doch Sex auf die Distanz? Die holländische Regierung beantwortet ganz offenherzig auch diese essenzielle Frage des Lebens auf ihrer Homepage.

Einfach ist die Sache, wenn "dein Partner mit dir im gleichen Haushalt lebt", ist da zu lesen. Denn auf dem begrenzten Raum werde der Abstand ohnehin nicht eingehalten, also freie Bahn. Die Stopptafel gilt allerdings dann, wenn einer der beiden in Quarant√§ne ist oder ein Corona-Verdacht versteht. No, na, ned, w√ľrden wir in √Ėsterreich sagen.

Aufruf zum Masturbieren

Aber aufgepasst, sie √ľberraschen uns doch, die Holl√§nder. In dem Fall, so die L√∂sung des Problems, d√ľrfe man sehr wohl masturbieren. Gern auch gemeinsam - auf r√§umliche Distanz. Und sich dabei zum Beispiel erotische Fantasien erz√§hlen. So steht es ganz offiziell auf der Regierungshomepage.

F√ľr Spa√ü zwischen zwei (und auch mehr) Menschen - auf Abstand nat√ľrlich - haben die Beh√∂rden bereits in der Fr√ľhphase der Pandemie Tipps ver√∂ffentlicht: Sexting, Telefon- oder Video-Sex, die Produktion eines erotischen Podcasts, eine Strip-Show oder einen Sex-Zoom-Call mit einer ganzen Gruppe. Auf Twitter machten diese Vorschl√§ge schnell die Runde.

Wer darauf keine Lust hat, der k√∂nnte sich ja einen ¬ęKnuffelmaatje¬Ľ (w√∂rtlich "Schmusefreund") suchen. Diese Treue auf Zeit der Pandemie helfe sowohl den Einzelnen als der Gesellschaft, da damit auch das Risiko der Neuinfektionen sinke. Und vermutlich auch der Frust, der sich ob der seit Samstag geltenden n√§chtlichen Ausgangssperre bereits in einigen St√§dten des Landes gewaltt√§tig entladen hat.

Gewaltexplosion

In mehr als zehn Städten waren unterdessen am späten Sonntagabend Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und Ausgangssperren eskaliert. Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren und rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen.

Am Montag boten viele St√§dte ein Bild der Verw√ľstung. Stra√üen und Pl√§tze waren voller Glasscherben, ausgebrannten Autos und Steinen. Ministerpr√§sident Mark Rutte verurteilte die Gewalt scharf. ‚ÄěDas ist absolut unzul√§ssig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt‚Äú, sagte Rutte am Montag in Den Haag.

Über die sozialen Netzwerke war am Sonntag zu Protesten gegen die Ausgangssperre aufgerufen worden. Die Polizei geht in ersten Analysen davon aus, dass unterschiedliche Gruppierungen sich an der Gewalt beteilig hatten. Dazu gehörten Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neo-Nazis.

 

In Amsterdam und Eindhoven ging es als erstes rund. Demonstranten griffen Polizisten mit Feuerwerksraketen und Steinen an. Die Gegenwehr waren Wasserwerfer und Tränengas, auch Polizeihunde. Es gab Dutzende Festnahmen. Doch die Unruhen breiteten sich aus, die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die verbotenen Demonstrationen in den Griff zu bekommen - so auch in Den Haag, Tilburg, Stein, Roermond und Apeldoorn gemeldet.

"√Ąhnelt B√ľrgerkrieg"

Besonders heftig waren die Krawalle in Eindhoven. Dort, im Osten des Landes, wurde der Bahnhof demoliert, Gesch√§fte gepl√ľndert. ‚ÄěHooligans kamen aus allen Ecken des Landes, sie hatten sich √ľber die sozialen Medien verabredet‚Äú, sagte der B√ľrgermeister von Eindhoven, John Jorritsma. ‚ÄěWenn man auf diese Weise das Land in Brand steckt, dann √§hnelt das einem B√ľrgerkrieg.‚Äú

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