Chronik | Welt
04.12.2018

Schlag gegen Mafia: „Boss der Bosse“ in Sizilien verhaftet

Die Großaktion der Polizei bei Palermo ist der Höhepunkt der neuen „Aktion scharf“ gegen Mafiosi.

Italiens Polizei ist ein großer Schlag gegen die Mafia auf Sizilien gelungen: In der Nähe von Palermo wurden Dienstagfrüh 46 Mitglieder der Cosa Nostra, der sizilianischen Mafia, festgenommen. Unter den Verhafteten befindet sich auch der „Boss der Bosse“ Settimo Mineo, der ein Juweliergeschäft im Zentrum von Palermo besaß.

Der 80-jährige Sizilianer gilt als der Nachfolger des jahrzehntelang gesuchten Mafia-Bosses Toto Riina. Der 2017 verstorbene Riina gab unter anderem die brutalen Morde an den beiden bekannten Mafia-Ermittlern Paolo Borsellino und Giovanni Falcone in Auftrag.

Tod des Corleone-Paten

Die aktuelle Verhaftungswelle hängt, wie Antimafia-Staatsanwalt Federico Cafiero De Raho gegenüber der Tageszeitung Il Sole 24 Ore erklärt, auch tatsächlich mit dem Tod des Corleone-Paten zusammen. „Seit Jahren gab es einen Stillstand in der Führungsorganisation der Cosa Nostra. Seit Riinas Tod hatten die Anführer das Bedürfnis, die Organisation neu zu definieren. Dabei ging es auch um die Neuorganisation bei Müllentsorgung und Drogenhandel“, so De Raho. Zur Neuorganisation der Cosa Nostra-Spitze waren zahlreiche Treffen der Mafiosi erforderlich, wie Abhörprotokolle der Polizei bezeugen. Diese führten in der Folge zu den groß angelegten Verhaftungen.

 „Fortschrittliche Gesetze und beste Ermittler im Kampf gegen die Mafia“ seien laut Staatsanwälten weitere Erfolgsfaktoren. Allein in den vergangenen Jahren gelang es, 17.000 Besitztümer der Mafia zu konfiszieren.

Der Großeinsatz auf Sizilien ist der vorläufige Höhepunkt einer „Aktion scharf“ gegen das organisierte Verbrechen.

Salvinis Bagger-Einsatz

Innenminister Matteo  Salvini hat sich seit Amtsantritt den Kampf gegen die Mafia auf die Fahnen geheftet: „Wir werden Kriminelle Straße für Straße, Villa für Villa verfolgen.“ Medienwirksam ließ Salvini die Villen des römischen Mafia-Clans Casamonica im Quadraro-Viertel in der italienischen Hauptstadt dem Erdboden gleichmachen. Der Lega-Chef lenkte dabei in Anwesenheit von Dutzenden Fotografen und Kamerateams persönlich den Bagger. Jahrzehntelang sorgte der Verbrecherclan mit Wucher, Drogenhandel und Betrügereien für Angst und Schrecken an der Peripherie Roms. Auf dem riesigen Areal der Villa sollen eine öffentlich finanzierte Bibliothek und ein Park entstehen.

Vor einer Woche gelang den Anti-Mafia-Ermittlern zudem die bisher größte Beschlagnahmung von Mafia-Gütern in der Geschichte Italiens. Es handelt sich um Besitztümer der Erben des 2016 verstorbenen  Unternehmers Carmelo Patti im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Als bekanntestes Unternehmen Pattis gilt die Tourismus-Agentur Valtur mit internationalen Luxushotels und Golfplätzen.

Mafia in Finanzzentren

Laut Ermittlern pflegte Patti enge Kontakte zu Cosa Nostra-Boss Matteo Messina Denaro. Er ist seit über 15 Jahren auf der Flucht, wird vom FBI gesucht, und soll 50 Morde begangen haben.

Anti-Mafia-Ermittler warnen ausdrücklich vor dem Eindringen krimineller Organisationen in das Wirtschaftssystem in Norditalien und in Europa. „Die Mafiosi tragen heute Anzüge und Krawatten und sitzen in den Finanzzentren von Mailand, Frankfurt, London und New York“, betonte Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando.