Zerbrochene Fensterscheibe auf Ryanair-Flug: „Entschädigung wird hoch ausfallen“
Auf einem Ryanair-Flug zerbrach am 10. Juli eine Fensterscheibe und ein Passagier wurde teilweise aus der Maschine gesogen. Nun berichtet seine Ehefrau von den dramatischen Momenten.
Der schwere Zwischenfall, der sich Anfang Juli an Bord einer Boeing ereignete, hätte aus einem Horrorfilm stammen können: Auf dem Ryanair-Flug FR1879 von Thessaloniki (Griechenland) nach Memmingen (Deutschland) wurden die Passagiere durch einen lauten Knall in Panik versetzt. Auf der rechten Seite der Maschine, auf Höhe des Triebwerks, zerbrach eine Fensterscheibe.
Direkt neben dem 61-jährigen Ljubiša Karović: Der Serbe wurde infolge des immensen Druckabfalls teilweise aus dem Flugzeug gesogen. Laut Augenzeugen soll der Mann bis zu den Schultern aus der beschädigten Fensteröffnung nach außen gedrückt worden sein. Seine Ehefrau, die neben ihm saß, sowie weitere Passagiere zogen Karović wieder ins Innere des Flugzeugs.
Die für Boeing zuständige US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB untersucht nun den Vorfall. Die ersten Anzeichen deuteten jedoch auf einen Fremdkörperschaden am Triebwerk beim Start in Thessaloniki hin, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary.
Ljubiša Karović hat nach Angaben seines Anwalts, Vasilis Cijaras, bei dem Vorfall schwere Verletzungen am ganzen Körper erlitten.
Anwalt: „Entschädigung wird hoch ausfallen“
Karović müsse für die nächsten sechs Wochen eine Halskrause tragen. Danach würden die Ärzte entscheiden, ob eine Operation notwendig sei, sagt Anwalt Cijaras. „Solange wir kein vollständiges Bild des Falls haben, kann ich nicht über die Entschädigung sprechen. Sie wird hoch ausfallen, da bin ich mir sicher“, erklärt der Jurist gegenüber serbischen Medien.
Zudem soll Ryanair die Schilderungen seines Mandanten als falsch dargestellt haben. „Ich habe mit der Anwältin einer weiteren Passagierin gesprochen. Diese bestätigt, dass Ljubiša Karović zwei bis drei Minuten außerhalb des Flugzeugs war“, sagt der Verteidiger.
Nachdem Karović wieder ins Flugzeug gezogen worden sei, habe er mehrfach das Bewusstsein verloren. Sein Gesicht sei geschwollen und entstellt gewesen. „Sein Kopf sah aus wie ein Schwamm“, schildert der Anwalt. Die Ehefrau seines Mandanten, Svetlana Grković, die die schrecklichen Szenen miterleben musste, dachte, Ljubiša Karović sei tot.
Unklar, wo Verfahren stattfinden wird
Über die genaue Höhe der Entschädigung wollte Anwalt Cijaras nicht spekulieren. Er warte auf die Berichte des NTSB. Noch ist unklar, wo das Gerichtsverfahren stattfinden wird.
Der Jurist verwies allerdings darauf, dass die strafrechtlichen Ermittlungen in Thessaloniki geführt werden. „Wir werden sehen, wo wir Entschädigung fordern, je nachdem, wer zuständig ist. Ich denke, es wird Griechenland sein, da sich das Flugzeug zum Zeitpunkt des Vorfalls im griechischen Luftraum befand.“
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