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Chronik Welt
06/22/2019

Philippinien: Wo Menschen "Austria" und "Tirol" heißen

„Die Verbreitung des Namens Austria hängt mit der jahrhundertelangen Verbindung zwischen den spanischen Herrschern und dem Hause Österreich zusammen“, heißt es aus der Botschaft.

von Thomas Pressberger

Wilma, Leo, Amy, Hilda und Erastus haben eines gemeinsam. Die Politikerin, der Basketball-Trainer, die Schauspielerin, die Journalistin und der Sprecher des philippinischen Zollamtes haben den gleichen Nachnamen: Austria. Sie sind nicht verwandt, denn Austria ist ein Allerweltsname. Woher das kommt? „Die Verbreitung des Namens Austria auf den Philippinen hängt mit der jahrhundertelangen Verbindung zwischen den spanischen Herrschern und dem Hause Österreich zusammen“, heiß es dazu aus der österreichischen Botschaft in der philippinischen Hauptstadt Manila auf Anfrage des KURIER.

Spanische Verwaltung

Der Name „Austria“ sei in der spanischen und damit auch in der philippinischen Geschichte immer ein Begriff gewesen. Die Spanier herrschten von der Mitte des 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den Inseln. „Auf den Philippinen wurden Familiennamen im ganzen Land erst im 19. Jahrhundert von der spanischen Verwaltung eingeführt. Zuvor hatten meist nur Hochgestellte einen Familiennamen, die meisten Menschen kamen mit einem Vornamen zurecht, allenfalls ergänzt durch den Ort der Herkunft“, schreibt dazu Wilhelm Donko in seinem Buch „Österreich-Philippinen 1521 bis 1898: Bezugspunkte, Beziehungen und Begegnungen“. Donko widmet dem Thema ein ganzes Kapitel.

„Im 19. Jahrhundert wurden von den Spaniern Listen mit üblichen spanischen Familiennamen an die Pfarrämter in allen Landesteilen geschickt, und die Menschen sollten sich daraus einen aussuchen“, so Donko weiter. Das erkläre auch, warum heute die meisten Filipinos einen typisch spanischen Familiennamen haben.

Flucht nach Tirol

Doch nicht nur Austria ist auf den Philippinen ein begehrter Nachname, manche heißen sogar „Tirol“. Die Hintergründe dafür sind nicht ganz klar, Donko erzählt dazu eine Anekdote: Im 17. Jahrhundert lebte der arme Filipino Gabriel Ureta, dessen Brotverdienst es war, vornehme Spanier über den Fluss zu tragen, damit sich diese nicht die Füße nassmachten. Einmal ließ er einen solchen mitten im Fluss fallen. Um der Strafverfolgung zu entgehen, flüchtete er als Seefahrer nach Europa und landete in Tirol.

Nachdem sich die Aufregung gelegt hat, soll er zurück in sein Land gezogen sein, konnte aber bei der Einreise seinen wahren Namen nicht nennen. Von da ab nannte er sich Gabriel Tirol, und der Name breitete sich in der Folge im Lande aus. Auch wenn sich der Wahrheitsgehalt heute nicht mehr verifizieren lasse, meint Donko, dass der Kern wohl stimme.

Österreich spielt übrigens auch bei der Namensgebung der Philippinen eine Rolle, denn das Archipel wurde vom Entdecker Ruy López de Villalobos zu Ehren des spanischen Infanten Philipp „Las Islas Filipinas“ genannt. Philipp war der spätere spanische König Philipp II., Sohn des Habsburgers und Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Karl V.

Donko spricht noch ein ganz anderes Thema an, das Österreich immer wieder verfolgt und auch mit dem Namen zu tun hat: Österreich wird als Land auch auf den Philippinen immer wieder verwechselt, allerdings nicht mit Australien, sondern mit Asturien, einer Region im Nordwesten Spaniens.