Eine Bitcoin-Farm in Kanada

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Chronik | Welt
06/14/2019

Ökologischer Fußabdruck des Internets ist schlimmer als Fliegen

Internet und Bitcoin steigern den Energieverbrauch, weil die Datenmengen immer größer werden.

Der Server-Betrieb der fünf größten Internetprovider verursacht schon ungefähr dieselbe Menge wie der gesamte Flugverkehr auf der Erde. Der Stromverbrauch entspricht dem von 25 Atomkraftwerken.

Die Digitalwährung Bitcoin verbraucht so viel Rechenleistung von Computern und damit Energie, dass ihr -Ausstoß zwischen dem von Jordanien und Sri Lanka liegt. Das errechnete Christian Stoll von der TU-München mit seinem Team. Die kryptografische Währung kommt ohne eine Zentralbank aus, für Vertrauenswürdigkeit und Absicherung sorgt ein Mechanismus namens Blockchain, eine Art Kettenrechnung, die immens viel Energie verschlingt. „Im Jänner 2011 konnte ein Bitcoin-Schürfer mit einem aktuellen Grafikprozessor (zwei Gigahashs (GH)/s) damit rechnen, mehr als zwei Blöcke pro Tag zu finden“, schreiben die Forscher. „Im November 2018 konnte derselbe Bitcoin-Schürfer (mit der Technik von 2011) aufgrund der zunehmenden Schwierigkeit des Suchrätsels damit rechnen, alle 472. 339 Jahre einen Block zu finden.“

Nicht nur Christian Stoll warnt vor den Folgekosten für die Umwelt. „Wir haben eine völlig neue Industrie, die pro Jahr mehr Energie konsumiert als viele Länder“, sagt auch Max Krause vom Oak Ridge Institute for Science and Education in Cincinnati, Ohio.

Bitcoin und Kohle

Und weil etwa die Hälfte der Bitcoin-Farmen in China angesiedelt ist, wird die dafür nötige Energie zu einem beträchtlichen Teil durch Kohlekraftwerke erzeugt.

Auch Netflix und Co. verbrauchen so viel Energie wie alle Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen in einem Jahr. Das sind Berechnungen des deutschen Energieversorgers E.ON.

Wer übers TV-Gerät streamt, verbraucht übrigens ungleich mehr als mit Smartphone oder Tablet. Ein Grund für den hohen Energieverbrauch ist, dass die Filme und Serien in immer höherer Auflösung gezeigt werden.

Mittlerweile sind 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt online. Auf Tausenden Servern liegen die Daten, der Energieverbrauch vieler IT-Unternehmen ist mit dem einer 200.000 Einwohner-Stadt vergleichbar.