Der Nachbau von James Cooks „Endeavour“ bei der Einfahrt in den Hafen von Gisborne wurde von vielen wie eine zweite Invasion der Briten empfunden

© AP/Danny Lawson

Neuseeland
10/08/2019

Neuseeland: Die Wut der Maori auf James Cook

250 Jahre nach der Ankunft von James Cook wird die Geschichte der Maori endlich aufgearbeitet

von Susanne Bobek

VonSusanne BobekKaiser Franz I. ließ zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Nachlass des Weltumseglers James Cook (1728 –1779) in London ersteigern. Diese Objekte aus dem Südpazifik gehören bis heute zu den Hauptattraktionen im Weltmuseum Wien, dem vormaligen Völkerkundemuseum.

James Cook legte Anfang Oktober 1769 mit seinem Schiff „Endeavour“ in Neuseeland an. Die Feierlichkeiten zum 250-Jahr-Jubiläum der Ankunft des Briten spalten das Land. Denn die neuseeländische Regierung unter Premierministerin Jacinda Ardern hat keine Kosten und Mühen gescheut, das „pazifische Seefahrterbe Neuseelands“ zu feiern. Ein Nachbau der „Endeavour“ erhitzt die Gemüter, vor allem die Maori, die indigenen polynesischen Einwohner Neuseelands und die Pakeha sehen keinen Grund zum Feiern. Cook sei ein Mörder gewesen und ein Eindringling und die Vorhut der Expansion des britischen Königreichs. „Cook hat hier nichts entdeckt, und wir wehren uns gegen Ausdrücke wie ,Begegnungen’ und ,Treffen’, um Invasionen zu umschreiben“, sagte etwa Anahera Herbert-Graves vom Ngati-Kahu-Volk.

Denn bald nach Cooks Landung in der Poverty Bay – am Rande der heutigen Stadt Gisborne – eröffnete Cooks Mannschaft das Feuer auf die Maori. Ein Anführer soll in den ersten Minuten nach der Ankunft erschossen worden sein, weitere acht Maori in den Tagen danach, ehe es zu einer Einigung zwischen Cook und den Einwohnern kam.

„Bedauern“

Erst vor wenigen Tagen äußerte Großbritannien „Bedauern“ über die Ereignisse im 18. Jahrhundert – eine Entschuldigung gab es bisher nicht.

Bereits seit Jahrzehnten kritisieren die Indigenen die Vorgehensweise der neuseeländischen Regierung als Auswirkung der Kolonialisierung und als institutionellen Rassismus.

Jacinda Ardern versucht, die Wogen zu glätten, steht aber unter immensem Druck, da im nächsten Jahr gewählt wird. Die „Tuia“-Feierlichkeiten werden deshalb zu einer Art Geschichtsaufarbeitung: „Wir verstehen den „mamae“ (Maori für Schmerz) sehr, der in einigen Gemeinden noch sehr stark existiert. Unsere Aufgabe ist es, die Bücher zu öffnen, die ganze Geschichte zu betrachten und darüber zu sprechen.“ Eine Statue des britischen Seefahrers wurde mehrmals mutwillig beschädigt. Sprüche wie „Das ist unser Land“ waren darauf zu lesen, berichtete der Guardian.

So wirkte die Einfahrt der Schiffsnachbauten, darunter Cooks Endeavour, im Hafen von Gisborne für manche wie eine zweite Invasion.

Im Weltmuseum Wien ruhen die Artefakte der Maori aus Cooks Nachlass in ihren Vitrinen. Zurückgegeben werden sie wohl nicht. Es sind rund 30.000 Gegenstände aus Polynesien, Melanesien, Mikronesien und Australien und Neuseeland.