Oleg Sokolow (63)

© APA/AFP/DENIS SINYAKOV

Anklage
06/12/2020

„Napoleon“ zerstückelte seine junge Geliebte

Russischer Historiker ist geständig und soll für sieben Jahre in Haft.. Jetzt bangt er um seinen Orden der Fremdenlegion.

von Susanne Bobek

In St. Petersburg steht der Historiker und Napoleon-Experte und -Darsteller Oleg Sokolow vor Gericht. Er hat gestanden, seine Geliebte Anastassija Jeschtschenko im November 2019 erschossen und dann im Vollrausch zerstückelt und in der Moika, die durch St. Petersburg fließt, versenkt zu haben.

Nur ihre Hände, abgeschnitten an den Ellenbogen, die er in einen Rucksack gepackt hatte, gingen nicht unter. Sokolow wollte nachhelfen, fiel ins eiskalte Wasser und wurde gerettet. Ihm drohen sieben Jahre Haft.

Sind sieben Jahre zuviel oder zuwenig? Der Mord des 63-Jährigen an der 24-Jährigen lässt die Russen nicht los. In Talkshows wird über Schuld und Sühne diskutiert.

Anastassijas Eltern haben die Tochter in einem Brautkleid beerdigt. Noch nicht wissend, dass ihr Kind nun als „Monster“ verunglimpft wird, als undankbare Geliebte.

Die begabte junge Historikerin war dem mit dem Orden der französischen Fremdenlegion hochdekorierten Dozenten im Hörsaal aufgefallen, da war sie 19. Mit 24 hatte sie offenbar genug und wollte alleine zu einer Geburtstagsparty. Ihr Bruder erzählt, dass sie ihn in jener Nacht weinend angerufen habe, dass sie sich endlich von Napoleon trennen müsse. Sie kündigte an, ihre Sachen aus der großbürgerlichen Wohnung an der Moika holen zu wollen.

In dieser Nacht wurde sie aus einer alten Waffe mit vier Schüssen getötet. Am nächsten Tag empfing Sokolow zwei Freunde, mit denen er heftig trank. Erst am Abend entschied er sich, die Leiche, die in einem Nebenraum lag, zu zerstückeln und dann verschwinden zu lassen.

30 Seiten Beichte

Sokolow schreibt aus der Haft herzzerreißende Briefe. Seine Beichte umfasst 30 Seiten. Seine dritte Frau würde ihn sofort wieder bei sich aufnehmen, denn er sei ja selbstmordgefährdet.

An die Mutter seiner Geliebten, die er abwechselnd Josephine oder Isabelle nannte, schrieb er: „Ich halte es für die beste Strafe, vor der Mutter zu knien, damit sie mit ihrer Dienstwaffe entscheidet, ob ich leben oder sterben soll.“ Anastassijas Mutter ist Polizistin.

Auch dem Grand Chancelier der Ehrenlegion schrieb er nach Paris: „Ein entehrter Ritter kann nicht leben. Für den Fall, dass mir der Orden aberkannt wird, sehe ich keinen anderen Weg als zu sterben.“

Eine andere Studentin behauptet, dass auch sie von Sokolow am Ende ihrer Liebe gefesselt, gewürgt und mit einem heißen Bügeleisen vor ihrem Gesicht bedroht worden war.

St. Petersburger Studenten prangern jetzt an, dass gegen Sexismus und Übergriffe an ihrer Uni nichts getan würde. Sokolow sei berkannt dafür gewesen, dass er junge Studentinnen, die aus der Provinz zum Studium nach St. Petersburg gekommen waren, unter seine Fittiche genommen hatte.

Die Anzeige der Ex-Freundin vor mehr als zehn Jahren wurde übrigens nicht weiter verfolgt.

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