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Chronik | Welt
03/19/2019

Nach Boeing-Absturz: Kritik an EU-Flugsicherheitsbehörde

Laut dem CSU-Politiker Ferber hätte das Unglück, bei dem 157 Menschen starben, verhindert werden können.

Nach dem Absturz einer Boeing 737 MAX 8 in Äthiopien haben EU-Parlamentarier die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA kritisiert. Die EASA habe offenbar seit dem ersten Absturz einer Boeing 737 MAX 8 der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air im Oktober von dem Problem gewusst, das mutmaßlich zu den Unglücken geführt habe, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Europa-CSU, Markus Ferber.

Am 10. März war eine 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober bereits war eine Lion-Air-Maschine des gleichen Typs vor der indonesischen Insel Java verunglückt, damals gab es 189 Tote.

Die Untersuchungen der Abstürze legen nahe, dass ein Softwarefehler des Trimmsystems MCAS in beiden Fällen der Auslöser gewesen sein könnte. Zahlreiche Länder haben mittlerweile ihren Luftraum für die Maschine gesperrt. Die EASA sprach die Blockade für den europäischen Luftraum am Dienstag nach dem Absturz in Äthiopien aus.

Ky verteidigt EASA

Um zu klären, warum dies nicht bereits nach dem Absturz im Oktober geschehen war, stellte sich der EASA-Direktor Patrick Ky den Fragen des Verkehrsausschusses des EU-Parlaments. Laut Ky war die MCAS-Software bereits nach dem ersten Absturz ins Visier der Experten geraten. Boeing habe jedoch überzeugende Gegenmaßnahmen angekündigt.

In der folgenden Debatte äußerten mehrere Mitglieder des Verkehrsausschusses scharfe Kritik. "Eine Flugsicherheitsbehörde, die einen Softwarefehler erst als Risiko einstuft, wenn schon zwei Flugzeuge abgestürzt sind, stellt für den Bürger selbst ein Risiko dar", betonte Ferber am Dienstag. Zumindest der zweite Absturz hätte verhindert werden können, sagte er.

Zur Verteidigung seiner Behörde führte Ky an, der EASA sei die Beteiligung an den Untersuchungen der Abstürze untersagt gewesen. Da es sich um eine Maschine aus US-Produktion handle, leite die US-Flugsicherheitsbehörde FAA die Ermittlungen. "Wir mussten uns ausschließlich auf öffentliche Informationen und Informationen der FAA verlassen", sagte Ky.