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Alle Warnungen ignoriert: Wer zahlt für Rettung vom Mont Blanc?

Weil sie trotz Todesfällen und gesperrten Berghütten zu Europas höchstem Berg aufbrachen, sollen jetzt in Not geratene Bergsteiger für ihre Rettung selbst bezahlen.
Temperatures forecast to reach exceeding 30° degrees Celsius in Chamonix

Groß wie Fußbälle sind die Felsbrocken, die donnernd in die Tiefe stürzen, Augenblicke später ergießt sich ein Steinregen, so dicht, dass der Staub die Sicht verhüllt. Die Szenen, die Bergsteiger in den vergangenen Tagen in Sozialen Medien veröffentlicht haben, stammen von Europas höchstem Berg, dem Mont Blanc.

„Todes-Couloir“

Die Wände aber, die auf diesen Bildern, zerbröckeln, säumen ausgerechnet jenen Weg, über den in der Bergsaison alljährlich Zehntausende den Aufstieg zum Mont Blanc wagen. Es ist das Grand Couloir, eine rund 150 Meter breite Rinne in einer Höhe von 3300 Metern. Die gilt als Schlüsselstelle des sogenannten Normalwegs. 

Der führt eigentlich ohne größere technische Herausforderungen auf den 4807 Meter hohen Gipfel. Damit ist der Mont Blanc auch für durchschnittlich erfahrene Bergsteiger zu bewältigen, das macht ihn für viele zum attraktiven Ziel. Dass das Grand Couloir aufgrund der Steinschlaggefahr auch „Todes-Couloir“ heißt, nahmen die Bergsteiger immer schon in Kauf.

Möglichst früh aufbrechen, damit der nächtliche Temperatursturz die Felsen noch in den Morgenstunden noch einigermaßen zusammenhalten, lautete die Devise. Doch die schützt jetzt nicht mehr, wie die Handyfilme der Bergsteiger beweisen. Klimawandel, das Abtauen der Gletscher und das Auftauen des Permafrosts im Mont-Blanc-Massiv haben die Gefahren, für jeden, der den Aufstieg versucht, dramatisch verschärft. 

Erst im Juli kamen zwei tschechische Bergsteiger, einer davon ein erfahrener Bergführer, bei einem massiven Steinschlag genau im Couloir ums Leben.

Die örtliche Politik in den umliegenden französischen Bergsteigerdörfern musste schließlich reagieren. So zog etwa der  Bürgermeister des Dorfes Saint-Gervais direkt am Fuß des Berges die denkbar härtesten Konsequenzen: Vor wenigen Tagen ließ er zwei Hütten, die direkt auf der Normalroute liegen und wichtige Anlaufstelle für alle Bergsteiger sind, sperren. Auch die örtlichen Bergführer und alle Anbieter von Touren in der Region sagten sämtliche Aktivitäten ab. 

Abstieg über „lebensgefährlichen“ Weg?

Doch der Appell, unbedingt alle Versuche, den Berg zu besteigen, sofort abzublasen, stieß nicht bei allen auf offene Ohren. Weil der Berg in der Hochsaison ständig überrannt ist, waren Dutzende Bergsteiger schon auf der Route unterwegs, als die Meldung von der Hüttensperre und die dazugehörige Warnung kam. Manche hatten das Couloir bereits hinter sich und standen nun vor der Entscheidung: Über den Normalweg zurück ins Tal und damit das Risiko noch einmal auf sich nehmen, oder die Bergrettung verständigen, Rund 30 Bergsteiger entschieden sich für diese Option.

Privater Einsatz um Tausende Euro

Doch als der Notruf Saint-Gervais und damit auch den Bürgermeister erreichte, entschied sich der dagegen, die in Frankreich staatliche Bergrettung in Bewegung zu setzen. Die ist nämlich grundsätzlich kostenlos, wenn der Einsatz begründet ist. Das aber sah der Bürgermeister nicht so. Also wurde stattdessen eine private Firma mit deren Helikoptern für die Rettung engagiert. Die führte die Aktion, also die Heimholung der Bergsteiger prompt und problemlos durch, legte aber im Anschluss eine riesige Rechnung über mehrere Tausend Euro vor. 

Die sollen jetzt die geretteten Bergsteiger aus eigener Tasche bezahlen. Sie hätten das Risiko beim Aufstieg bewusst in Kauf genommen, argumentiert der Bürgermeister im französischen Fernsehen, "jetzt sollen sie es auch beim Abstieg in Kauf nehmen. Für die betroffenen Bergsteiger wiederum ist das inakzeptabel. Man könne doch nicht von ihnen verlangen, einen lebensgefährlichen Abstieg auf sich zu nehmen.

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