Paketbombe in Monaco: Ukrainischer Oligarch verletzt, keine Terrorermittlungen
Zusammenfassung
- Am Montagabend erschütterte eine mutmaßlich absichtliche Explosion am Eingang eines Wohngebäudes in Monaco das Fürstentum, dabei wurden drei Menschen schwer verletzt.
- Medienberichten zufolge gehören die Opfer zu einer Familie, darunter ein ukrainischer Immobilienunternehmer, während weitere Personen Schnittverletzungen und Schocks erlitten.
- Die Behörden fahnden nach einem Verdächtigen, der vor der Explosion ein Paket oder einen Rucksack deponiert und anschließend in Richtung Frankreich geflohen sein soll.
Bei einer heftigen Explosion am Eingang eines Wohngebäudes in Monaco soll Medienberichten zufolge am Montagabend einer der reichsten Unternehmer der Ukraine schwer verletzt worden sein. Nach Behördenangaben wurde außer dem Immobilienunternehmer eine Frau ebenso lebensgefährlich sowie ein Jugendlicher verletzt. Von offizieller Seite wurden die Identitäten nicht bestätigt. Weitere Personen erlitten Berichten zufolge Schnittverletzungen und Schocks.
Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln. Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte der Staatsanwalt. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das 13-jährige Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza.
Die Staatsanwaltschaft hat in dem Fürstentum Ermittlungen wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat aufgenommen. Es gebe keine Hinweise auf einen Terroranschlag, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault am Dienstag in Monaco. Er äußerte sich nicht zur Identität der drei Opfer.
Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und dass gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und dass er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird. Er sei mit der französischen Antiterror-Staatsanwaltschaft in Kontakt, die ihre Dienste angeboten habe, sagte der Staatsanwalt weiter. Es werde noch geprüft, ob diese benötigt würden.
Jermolajew mit ukrainischen Sanktionen belegt
Wadym Jermolajew (58) ist seit Dezember 2023 mit ukrainischen Sanktionen belegt, Präsident Wolodymyr Selenskyj warf ihm Kooperation mit Russland vor. Vorher war Jermolajew mit seiner Firma Alef einer der größten Stadtentwickler in seiner Heimat Dnipro und zählte regelmäßig zu den reichsten Ukrainern. Der Zeitschrift „Forbes“ sagte er einmal, dass er seit 2017 nur noch einen Pass von Zypern habe, nicht mehr der Ukraine.
Jermolajew tauchte auch in Recherchen des Nachrichtenportals „Ukrajinska Prawda“ zum spöttisch so getauften „Monaco-Bataillon“ auf. Dabei ging es um ukrainische Politiker und Geschäftsleute, die sich wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an die Côte d'Azur abgesetzt haben.
Suche nach dem Täter
An der Suche nach dem Täter seien auch französische Sicherheitskräfte beteiligt, sagte Thibault. Nach ersten Ermittlungen handle es sich um einen Einzeltäter, der ein Paket im Eingang des Wohnhauses abgelegt habe. Kurz nachdem die drei Bewohner an der Tür erschienen seien, sei ein Sprengsatz detoniert. Es gebe zwei weitere Verletzte, die von Splittern durch berstende Schaufensterscheiben getroffen worden seien, sagte der Staatsanwalt.
Der Verdächtige, der am Abend wohl zu Fuß vom Tatort geflohen war, sei noch nicht festgenommen worden. Man sei ihm aber auf der Spur, die Polizei versuche, seinen Weg nachzuzeichnen und ihn zu identifizieren. Die Explosion ereignete sich am Montag gegen 21.00 Uhr, wie Monacos Staatsminister Christophe Mirmand im französischen Sender BFMTV sagte. Medien zeigten ein von Überwachungskameras aufgenommenes Bild eines laufenden Mannes mit einem dunklen Hut. Das betroffene Gebäude befindet sich Mirmand zufolge an einem Platz nahe der Grenze zu Frankreich.
Fürst Albert II.: „Schock“ für Monaco
Fürst Albert II. von Monaco schrieb in einer Mitteilung in der Nacht, dass die „kriminelle Explosion einen Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“ darstelle. Alle zuständigen staatlichen Dienste seien derzeit mobilisiert, in enger Zusammenarbeit mit den französischen Behörden. „Wir vertrauen darauf, dass sie die Umstände dieser Tragödie so schnell wie möglich aufklären, die Verantwortlichen identifizieren und auf allen Ebenen die notwendigen Antworten liefern werden“, hieß es.
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