Corona-Impfung in Amazonien

© APA/AFP/MICHAEL DANTAS

Amazonasgebiet
02/13/2021

Mit Pfeil und Bogen gegen alle, die impfen wollen

Indigene werden von evangelikalen Predigern und Anhängern des Präsidenten Bolsonaro gegen Corona-Impfung aufgehusst

von Susanne Bobek

Wenn man sich gegen das Coronavirus impfen lässt, wird man sich in einen Alligator verwandeln.“ Diesen und ähnlichen Schwachsinn verkünden derzeit evangelikale Pastoren und selbst ernannte Missionare in den entlegensten Dörfern im brasilianischen Amazonasgebiet.

Immer wieder wurden Mitarbeiter der medizinischen Teams, die in den Urwald kommen, mit Pfeil und Bogen angegriffen, berichtet der Guardian.

Claudemir da Silva, ein Apurină Führer, vertritt indigene Dörfer am Xingú. Er beschuldigt den rechtsextremen Präsidenten Brasiliens, Bolsonaro, und seine evangelikalen Anhänger, die Angst vor dem Impfstoff zu schüren. „Religiöse Fundamentalisten und evangelikale Missionare predigen gegen den Impfstoff“, empört sich Dinamam Tuxá, Leiter der APIB, Brasiliens größter indigener Organisation.

„Leider verbreiten einige Pastoren, denen es an Weisheit mangelt, Fehlinformationen an unsere indigenen Brüder“, sagte Pastor Mario Jorge Conceiçăo von der Versammlung der traditionellen Kirche Gottes in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas. Und auch die indigene Gesundheitsbehörde der Regierung, Sesai, teilte Reuters mit, nun alles zu unternehmen, damit sich die besonders gefährdeten Ureinwohner impfen lassen.

Frauen wachsen Bärte

Präsident Bolsonaro hat die Pandemie immer heruntergespielt und sich geweigert, selbst einen Impfstoff zu nehmen. Schon gar nicht den chinesischen von Sinovac. Er spottete: „Wenn Sie den Impfstoff nehmen und sich in einen Alligator verwandeln, ist das Ihr Problem. Wenn Sie sich in Superman verwandeln und Frauen Bärte wachsen, habe ich nichts damit zu tun.“

Bis in die abgelegensten Dörfer des Landes verbreiteten sich Bolsonaros Sprüche.

Besonders üble Gerüchte verbreiteten sich nach dem Tod des 56-jährigen Stammeshäuptlings Fernando Katukina vom Volk der Nôke Kôi nahe der peruanischen Grenze. Er war am 1. Februar an einem Herzstillstand im Zusammenhang mit Diabetes und Herzinsuffizienz verstorben. In den sozialen Medien und im Radio wurde aber die Nachricht verbreitet, dass der Covid-19-Impfstoff, den er im Jänner erhalten hatte, seinen Tod verursacht habe. Das biomedizinische Zentrum in Butantan, das den Sinovac-Impfstoff herstellt, beteuerte, dass dem nicht so sei. Aber so etwas kommt gegen Gerüchte nicht an.

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