© Anna Maria Bauer

Chronik Welt
02/07/2020

Meine Singapur-Reise und das Coronavirus: Nichts für Hypochonder

Beim Einchecken im Hotel hält mir der Rezeptionist das Fiebermessgerät an die Stirn. Was herauskommt, sagt er nicht.

von Anna-Maria Bauer

Fünf Tage Singapur. Was als entspannender Zwischenstopp auf dem Weg nach Ozeanien geplant war, hat in den Tagen vor dem Abflug unverhältnismäßig viel Gewicht bekommen. Außerhalb von Zentralchina ist Singapur nach Japan (37 Fälle) das Land mit den meisten Coronavirus-Infizierten. Offiziell sind, Stand Freitag, 30 Personen infiziert, davon stammen neun aus der eigenen Community.

Als leichte Hypochonderin war kurz vor dem Abflug mitunter der Gedanke aufgekommen, den Aufenthalt in Singapur zu verkürzen. Die Mitarbeiterin im Reisebüro meint jedoch, das würde kurzfristig äußerst teuer werden. Und außerdem sei das wohl übertrieben. Ein Satz, der sich leicht sagt, wenn man gerade nicht selbst nach Singapur fliegt.

Sicherheitshalber wird der Reisearzt konsultiert. Sein Attest: Kein Grund zur Sorge. Ein Mundschutz auf dem Flughafen in Singapur könne nicht schaden. Am Flug dorthin sei es wohl nicht notwendig, meinte er; in Singapur selbst sei es Unfug.

Die Masken wandern beim Einpacken dann als erstes in den Koffer. Und zwar nicht die billigen um 1,20 Euro, sondern die teureren mit Filter. Gleich danach: Desinfektionsmittel. Bei rund 5,6 Millionen Einwohnern, sind derzeit nur 0,0005 Prozent der Singapurer krank. Das rückt die Aufregung kurz vor der Abreise etwas in Relation.

Ein bisschen überraschend ist es in Düsseldorf dann doch, dass mehr als die Hälfte der FlugbegleiterInnen der Singapore Airlines-Maschine eine Maske tragen. Vor dem Einstieg werden wir zudem gefragt, ob wir in den vergangenen zwei Wochen auch nicht in China gewesen sind. Dass Singapur um eine Eindämmung der Ausbreitung der Krankheit bemüht ist, zeigen zahlreiche Meldungen des Gesundheitsministeriums: Flüge von und nach Zentralchina sind seit 31. Jänner verboten.

Die Reinigungsarbeiten an öffentlichen Plätzen wurden verstärkt. In den Schulen sollen größere Versammlungen unterbunden werden. Und jeder der 1,37 Millionen Haushalte hat vier chirurgische Gesichtsmasken erhalten.

Nur Chinesen getestet

Als unsere Maschine aus Europa nach knapp zwölf Stunden Flugzeit wieder Boden unter den Rädern hat, lässt die Kabinencrew noch einmal wissen, dass verschärfte Gesundheitsmaßnahmen herrschen und beim Verlassen der Maschine die Temperatur der Passagiere gemessen wird. Am Ende des ersten Ganges am Singapore Changi Airport stehen tatsächlich ein halbes Dutzend Mitarbeiter bereit; die Fiebermessgeräte haben sie wie eine Waffe gezückt. Getestet werden dann aber nur die chinesischen Gäste.

Wie ungefähr ein Drittel der Passagiere habe ich beim Verlassen der Maschine meine Maske aufgesetzt. Die meisten Flughafenmitarbeiter, an denen wir vorbeikommen, tragen ebenfalls welche. Es ist ein komisches Gefühl.

Das beim Einsteigen ins Taxi dann aber gleich wieder verfliegt. Der Fahrer trägt keinen Mundschutz und plaudert, als hätte er meine Maske nicht bemerkt, die ich im Taxi auch gleich herunternehme (unter anderem, weil man damit verdammt schlecht Luft bekommt). Wie lange ich denn bleibe, fragte er und meint dann ich sollte unbedingt nach Chinatown. Eine bewusste Werbung?

Die Geschäfte in Singapurs Chinatown trifft der Coronavirus besonders hart, nicht wenige hätten Rückgänge um bis zu 50 Prozent zu beklagen, schreibt die lokale Zeitung The Straits Times. Die chinesische Geschäftsbetreiberin Zhao Hongmin wird sogar damit zitiert, dass ihr Geschäft im Einkaufszentrum Suntec City am 4. Februar lediglich 16 Dollar Umsatz machte. Normalerweise sind es 400 bis 500 Dollar.

Bevor ich im Hotel Einchecken darf wird mir dann doch Fieber gemessen. Nachdem ich ein Gesundheitsformular ausgefüllt habe, hält mir der Rezeptionist – mit Mundschutz, eine Anweisung des Hotels – das Fiebermessgerät an die Stirn. Was herauskommt, sagt er nicht, notiert es bloß auf dem Formular. Nachdem mir der Zimmerschlüssel aber ausgehändigt wird, muss sie aber wohl im grünen Bereich liegen.

Nun kann die Erkundungstour losgehen. Den Weg nach Chinatown schlage ich nicht ein, obwohl das die nächstgelegene Sehenswürdigkeit wäre, sondern mache mich auf dem Weg zu Marina Bay.

Die Maske bleibt in der Tasche. Als ich im ersten Shoppingzentrum für eine Flasche Wasser einkehre und dabei an einem extra aufgestellten Desinfektionsspray vorbeikomme, halte ich die Hand aber doch hin.

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