4 Tote bei Bootsunglück in Kroatien: "Kollision war unvermeidbar"
Zusammenfassung
- Bei einem Bootsunglück zwischen Solta und Brač nahe Split kamen vier Menschen ums Leben, vier weitere wurden aus dem Meer gerettet, die Unfallursache ist noch unklar.
- Nach Einschätzung von Experten hielt keines der beteiligten Schiffe ausreichend Ausschau, zugleich wird wegen des dichten Verkehrs vor Split vor voreiligen Schlüssen vor Abschluss der Ermittlungen gewarnt.
- Das Unglück verstärkt die Debatte über die Schiffssicherheit in kroatischen Gewässern, darunter strengere Verkehrsregeln, mehr Kontrollen und größere Vorsicht in stark befahrenen Hafenbereichen.
Am vergangenen Wochenende ereignete sich zwischen den kroatischen Inseln Solta und Brač nahe der Stadt Split ein schweres Bootsunglück. Dabei kamen vier Menschen ums Leben, vier weitere konnten aus dem Meer gerettet werden. Nach wie vor ist unklar, wie es zu dem tragischen Unfall gekommen ist. Genaue Informationen darüber, aus welchen Richtungen das Segelboot und der Katamaran kamen sowie mit welchen Geschwindigkeiten sie unterwegs waren, fehlen.
Bisher ist bekannt, dass der Katamaran von Split in Richtung Hvar unterwegs war, während das Segelboot aus Richtung Marina, also aus der Gegend um Trogir, kam. Dies bestätigte auch Željko Kuštera, der Hafenkapitän von Split, in einer Stellungnahme.
Das Bootsunglück wirft nun Fragen zur Schiffssicherheit in kroatischen Gewässern auf. "Keines der Schiffe hielt Ausschau. Die Grundregel lautet immer: beobachten. Das geschah hier nicht. Kein Schiff hielt Ausschau, und so war eine Kollision natürlich unvermeidlich", sagt Sanjin Dumanić vom Kapitänsverband Split und ehemaliger Kapitän gegenüber Nova TV. Dumanić warnt jedoch davor, Schlussfolgerungen zum Bootsunfall zu ziehen, ehe die offiziellen Untersuchungen abgeschlossen seien.
"Keine Drogen- oder Alkoholtests"
Die Route, auf der sich das Unglück ereignete, sei stark frequentiert und erfordere strengere Verkehrsregeln, so der ehemalige Kapitän. Split ist einer der größten Mittelmeerhäfen im Passagierverkehr, während der Urlaubssaison steigt die Anzahl der Schiffe noch weiter an.
"Das sind alles schon große Schiffe. Es gibt unzählige Yachten. Die Leute sind nicht immer darauf vorbereitet", erklärt Sanjin Dumanić. Zwar habe die Hafenbehörde in Split ein Kontrollsystem für Beiboote eingerichtet, sobald diese in See stechen, das Problem sei allerdings die Rückkehr der Schiffe in den Hafen, die üblicherweise am Abend stattfinde.
"Es weiß niemand wirklich Bescheid. Drogen- oder Alkoholtests werden auch fast nie durchgeführt. Die Kapitäne müssten besser kontrolliert werden", appelliert Dumanić.
Split als Hotspot der Adria
Auch Kristijan Antic, seit mehr als 20 Jahren Anbieter von Bootschartern mit Sitz im kroatischen Urlaubsort Tribunj, warnt auf seinem Blog vor den Gefahren, denen Kapitäne und Skipper in kroatischen Hafeneinfahrten ausgesetzt seien. Als größter Fährhafen Dalmatiens sei das Gebiet vor Split, wo sich das Bootsunglück ereignet habe, ein permanentes Drehkreuz.
"Wer hier unterwegs ist, muss jederzeit mit den schnellen Katamaranen und den riesigen Autofähren rechnen, die im Minutentakt Richtung Brač, Hvar oder Vis auslaufen", erklärt Antic. Der Sog und Wellenschlag dieser Schiffe könnten für kleine Boote gefährlich sein. Bei großen Schiffen sei das Problem, dass sie weder abbremsen noch den Kurs ändern könnten wie kleinere Boote.
Antic appelliert, sich an die Grundregeln zu halten, ausreichend Abstand zu wahren, in engen Fahrwassern und Hafenbereichen die Vorfahrts- und Ausweichregeln zu beachten sowie Ein- und Ausfahrten von Häfen zügig zu durchqueren.
Die Ermittlungen zur Klärung der Unfallursache zwischen Solta und Brač laufen.
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