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Chronik Welt
08/16/2019

Greta Thunberg und das grüne Geschäft

„We don’t have time“- Aktiengesellschaft will Klima-Facebook werden

von Susanne Bobek

Mit einer Rennjacht segelt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ohne jeden Komfort nach New York. Es ist ein gefundenes Fressen für ihre Kritiker. Die Bild-Zeitung titelte am Freitag auf Seite 2: „Ach, Greta, wärst du doch geflogen.“

Die monegassische Malizia II wurde vor dem Start in Plymouth von einem Team von Profiseglern startklar gemacht, die in zwei Wochen nach New York fliegen, dort das Boot übernehmen, wieder herrichten und zu fünft die Rückreise antreten werden. Macht einmal fünf Flüge nach New York, dazu zwei Transatlantikflüge zurück. Denn der Skipper Boris Herrmann und Malizia-Team-Gründer Pierre Casiraghi, der Sohn von Prinzessin Caroline, nehmen nach den Segelstrapazen einen Flieger zurück nach Europa.

Pierre Casiraghi (31) ist seit 2015 Präsident des Heli-Unternehmens Monacair und der dazu gehörenden Firma Skycam Hélicoptères. Sie bieten Helikopterflüge von Nizza nach Monte Carlo, oft 50 pro Tag um jeweils 600 Euro, und von Paris und Marseille in die Skigebiete von Gstaad und St. Moritz an.

Friedensnobelpreis

Der 16-jährige Greta könne man da gar keinen Vorwurf machen, sagen ihre Bewunderer, die sich Chancen ausrechnen, dass das Mädchen heuer den Friedensnobelpreis erhalten wird.

Das Team Malizia profitierte vom globalen Medienrummel um Greta. Das Branding ist perfekt: Die Synthetik-Segelanzüge für Greta, ihren Vater Svante und den mitreisenden Kameramann. Derzeit ist allerdings das Wetter so schlecht, dass das Boot seinen Kurs ändern musste, um den Stürmen auszuweichen.

In Schweden ist der Greta-Hype längst nicht so groß wie in Deutschland und Österreich: Vor allem Gretas Eltern, der Vater Event-Manager, die Mutter Sängerin, sind ins Visier der Kritiker geraten. Ihnen wird vorgeworfen, die Tochter als Geldmaschine zu gebrauchen. Wie der KURIER berichtete, fungierte Greta als Werbefigur für die Aktiengesellschaft „We don’t have time“. Das Unternehmen wurde von dem erfolgreichsten PR-Manager und Börsenspezialisten Schwedens, Ingmar Rentzhog, 2017 gegründet. Der Freund der Familie Thunberg will das „weltweit größte soziale Netzwerk für Klimaaktion“, eine Art Facebook für den Klimawandel schaffen und damit Geld verdienen. Er sagt: „Es gibt keinen Interessenkonflikt zwischen Klimaschutz und Geldmachen.“

Als Galionsfigur wurde Greta dafür gezielt aufgebaut. Ihre Asperger-Krankheit dürfte dabei sogar von Vorteil sein.

Schon ihr erster Schulstreik im August 2018 wurde von Rentzhog und seinem Medienteam mit Fotos, Videos und PR-Material in englischer Sprache aufbereitet. Der Zeitung Svenska dagbladet sagte Rentzhog, er sei der Entdecker von Greta. „Ja, so war es. Ich habe Greta dann auch mit vielem geholfen und dazu auch mein Kontaktnetzwerk verwendet.“

Gleichzeitig veröffentlichte Gretas Mutter, Malena Ernman, das Buch „Szenen aus dem Herzen“ über Familie und Klimawandel. Gretas Eltern versuchten, sich von Rentzhog öffentlich zu distanzieren, und behaupteten, er habe Greta für seine Geschäfte missbraucht, doch sie reiste nachweislich mit den „We don’t have time“-Managern und immer mit ihrem Vater Svante.