Chronik | Welt
30.10.2018

Jet-Absturz: Gleiche Panne schon beim Hinflug aufgetreten

Laut einem Passagier Flug "wie in einer Achterbahn". Nach Check durfte der Flieger aber wieder abheben.

Am Tag nach dem Absturz einer nur wenige Wochen alten Boeing-Maschine mit 189 Passagieren gibt es nun erste Hinweise auf die Unglücksursache. Ein technischer Defekt scheint wahrscheinlich, auch menschliches Versagen könnte eine Rolle gespielt haben. Die gesamte Flugzeugindustrie verfolgt die Entwicklungen mit Spannung, handelt es sich doch um eines der neuen Flaggschiffe des Konzerns.

Wie berichtet, erreichte der Jet nach dem Start von Flug JT610 in Jakarta nur eine Flughöhe von rund 1600 Metern. Doch auch dort blieb die Boeing 737 MAX 8 nicht stabil, sondern schwankte um rund 200 Meter auf und ab. Schon Minuten zuvor hatte das Flugzeug einmal trotz zunehmender Geschwindigkeit massiv an Höhe verloren. Rund 20 Sekunden vor dem Absturz verlor der Jet an Höhe, wurde kurz abgefangen und ging dann plötzlich in eine Art Sturzflug über – es dauerte nur etwas mehr als zehn Sekunden, bis der Flieger im Meer aufschlug.

Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von den Black Boxes

Fast dasselbe Problem dürfte es am Hinflug gegeben haben: Nach dem Start in Denpasar wurden ähnliche Schwankungen im Steigflug aufgezeichnet, ein Passagier sprach laut Medienberichten von einem Steigflug "wie in einer Achterbahn", es sei zu Panik an Bord gekommen. Nach der Landung wurde offenbar ein „Maintenance Log“ (Instandhaltungs-Vermerk) angefertigt, der das Problem beschreibt. Darin ist die Rede davon, dass einander Höhenmesser und Geschwindigkeitsanzeige widersprochen haben. Dies wird unter anderem über ein sogenanntes Pitotrohr gemessen. Der Crew gelang es, den Flug fortzusetzen, und der Jet wurde nach dem Check freigegeben. Ein möglicherweise gravierender Fehler.

Wie bei Air France?

Der Ablauf erinnert an den Absturz einer Air France Maschine 2009 über dem Atlantik. Damals sorgte ein (vereister) Sensor dafür, dass Geschwindigkeitsanzeigen nicht stimmten und der Autopilot ausfiel. In der Folge „überzog“ einer der beiden Copiloten das Flugzeug, worauf es zu einem fatalen Strömungsabriss kam.

FILE PHOTO: A Lion Air Boeing 737-900 parked at Denpasar airport

Auch beim aktuellen Absturz der Lion Air in Indonesien könnte entweder der Autopilot oder einer der beiden Piloten ohne die richtigen Anzeigen von Flughöhe und Geschwindigkeit falsche Manöver ausgeführt haben. Meist führt nämlich nicht ein Problem, sondern eine ganze Kette zu derartigen Abstürzen. Zuletzt gab es auch Crashs, weil zwei Piloten bei beherrschbaren Problemen genau unterschiedliche Lösungen wählten (etwa Steig- beziehungsweise Sinkflug) – und erst damit den Absturz verursachten.

Während rund zwei Dutzend Leichen in Indonesien bereits geborgen wurden, ordnete die lokale Luftfahrtbehörde eine Untersuchung aller weiteren Maschinen des Typs 737 MAX an. Weltweit wurden davon bisher rund 230 Stück gebaut. Sie werden etwa von Air Canada und American Airlines eingesetzt. Allen diesen Jets droht nun eine baldige Stilllegung (Grounding), bis das Problem behoben ist.

Am späteren Dienstag Nachmittag hieß es, dass nicht mehr mit Überlebenden des Flugs JT610 gerechnet wird.