Tragische Wende: Bei Transport erfrorenes Spenderherz wurde Kind (2) transplantiert
Symbolbild
Zusammenfassung
- Spenderherz für einen zweijährigen Jungen in Neapel wurde beim Transport durch falsche Kühlung irreparabel beschädigt und trotzdem transplantiert.
- Die Eltern wurden über den Zustand des Herzens nicht informiert; das Kind liegt seit über 50 Tagen im künstlichen Koma und benötigt dringend ein neues Spenderherz.
- Zwei Ärzte wurden suspendiert, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des gravierenden Fehlers beim Organtransport und der Transplantation.
Italien bangt um einen kleinen Buben mit einem angeborenen Herzfehler, der nach einem tragischen Irrtum dringend ein neues Spenderherz braucht. Der Fall des erst zwei Jahre alten Kindes aus Neapel nahm nun eine Wendung: Der Kleine bekam nach neuesten Informationen das Herz eines verstorbenen Buben transplantiert, obwohl bekannt war, dass dieses durch falsche Kühlung beim Transport irreparable Schäden erlitten hatte. Die Eltern wussten nach eigenen Angaben bisher nichts davon.
Der Bub liegt inzwischen seit mehr als 50 Tagen auf der Intensivstation eines Spitals in Neapel und wird künstlich am Leben gehalten. Jetzt wird europaweit dringend nach einem geeigneten Spenderherz gesucht - ohne dass die Chancen besonders gut sind. Seine Mutter sagte der Tageszeitung Il Mattino: "Mein Sohn führte ein fast normales Leben. Er nahm Medikamente, spielte und aß regelmäßig. Jetzt liegt er seit Wochen im künstlichen Koma und schwebt in Lebensgefahr."
Herz von ertrunkenem Vierjährigen entnommen
Der Bub leidet an einem schweren Herzfehler, der bereits im Alter von vier Monaten diagnostiziert wurde. Deshalb wird schon seit längerer Zeit ein Ersatzorgan gesucht. Kurz vor Weihnachten kam dann die Nachricht, dass in Südtirol ein vier Jahre alter Bub im Schwimmbad ertrunken sei, dessen Herz genutzt werden könnte.
Organ bei Transport "buchstäblich erforen"
Das Organ wurde schnellstmöglich aus Bozen ins 800 Kilometer entfernte Neapel gebracht. Dabei kam es jedoch zu einem gravierenden Fehler: Das Spenderherz wurde nicht wie üblich in herkömmliches Eis gepackt, sondern in viel kälteres Trockeneis. Dieses erreicht Temperaturen von mehr als minus 78 Grad. Bei der Ankunft sei es "buchstäblich erfroren" gewesen, hieß es. So wurde der Fall am Wochenende bekannt.
Herz trotzdem transplantiert, Eltern nicht informiert
Bisher wusste man allerdings nicht, dass dem Buben das Spenderherz trotzdem transplantiert wurde. Dies teilte nun der Anwalt der Eltern, Francesco Petruzzi, mit. Grund dafür war offensichtlich, dass das eigene Herz des Kindes bereits herausgenommen worden war.
Ärzte suspendiert
Zwei Ärzte des Krankenhauses in Neapel wurden nach einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur ANSA von Operationen suspendiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
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