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5 Verletzte: Auto fuhr in Menschenmenge in Modena

Der Vorfall löste politische Debatten über Integration aus.
Ein silbernes Auto mit Frontschaden steht auf der Straße, abgesperrt von der Polizei.

Nachdem im Zentrum der norditalienischen Stadt Modena am Samstag ein Auto in eine Gruppe von Fußgängern hineingefahren ist, werden noch fünf Personen wegen schweren Verletzungen in Krankenhäusern in Modena und Bologna behandelt. Die Ärzte bezeichneten ihren Zustand als stabil. Am schwersten verletzt ist eine 55 Jahre alte Frau aus der Provinz Modena, die auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Bologna um ihr Leben kämpft.

Sie erlitt zahlreiche Verletzungen, ihr Zustand habe sich jedoch leicht verbessert, berichteten die Ärzte. Ihr Ehemann wird ebenfalls dort behandelt und schwebt nach Angaben der Ärzte nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr.

Deutscher Touristin wurden beide Beine amputiert

Im Krankenhaus Baggiovara in Modena werden drei weitere Menschen versorgt. Darunter ist eine 69-jährige deutsche Touristin, die notoperiert wurde. Sie gilt als schwer verletzt, ihr Zustand sei aber stabil. Die Frau war von dem Wagen des mutmaßlichen Täters erfasst worden und verlor bei dem Aufprall beide Beine.

Ebenfalls im Krankenhaus in Modena liegt eine 53-jährige Polin, die mehrfach operiert werden musste und sich in kritischem Zustand befindet. "Beide Ausländerinnen sind kritisch verletzte Patientinnen. Sie befinden sich in der Anfangsphase eines schweren Traumas. Prognosen sind nicht möglich", berichteten die Ärzte. Beide Frauen seien sediert und könnten derzeit nicht befragt werden.

Besuch des Präsidenten

Ein weiterer Patient ist ein 59-jähriger Italiener mit Gesichtsverletzungen. Der Mann erhielt am Sonntag Besuch des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella. Seine Schwester sagte, er sei bei Bewusstsein und erinnere sich an die dramatischen Szenen, bei denen Menschen durch die Luft geschleudert worden seien.

Bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurden dagegen drei weitere Verletzte: eine 22-Jährige mit Schädelhirntrauma, ein 30-Jähriger, der eine Panikattacke erlitten hatte, sowie ein 47-jähriger Mann mit Schnittverletzungen. Bei Letzterem handelt es sich um den Mann, der den Fahrer als Erster gestoppt hatte und dabei mit Messerstichen verletzt wurde. Mit blutüberströmten Kopf berichtete er, sich auf den Boden geworfen zu haben, als das Auto auf ihn zugerast sei. Nachdem das Auto zum Stehen gekommen war, habe er den flüchtigen Fahrer mit anderen Passanten verfolgt.

Auch ein aus Ägypten stammender Bauarbeiter und dessen Sohn halfen dabei, den Fahrer festzuhalten. Der Vater lebt seit über 30 Jahren in Modena. Der Bürgermeister der Stadt, Massimo Mezzetti, dankte den beiden für ihren Einsatz. Er denke an eine Auszeichnung für die beiden, sagte er.

Gegen den 31-jährigen Tatverdächtigen, einen italienischen Bürger marokkanischer Herkunft, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen mehrfachen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung. Der Mann machte bei einem Verhör von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Nach Angaben der Ermittler litt der Mann mit Wohnort in der Provinz Modena 2022 unter einer psychischen Störung. Er sei wegen "schizoider Probleme" in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden, danach habe sich aber seine Spur verloren. Angeblich stand der Fahrer nicht unter Einfluss von psychotropen Substanzen. Der Begriff umfasst Psychopharmaka wie auch Drogen.

Politische Debatte

Der dramatische Vorfall löste politische Debatten über Integration aus. Italiens Vizepremier Matteo Salvini forderte, ausländischen Straftätern bei schweren Delikten die italienische Staatsbürgerschaft oder die Aufenthaltserlaubnis zu entziehen. Modenas Bürgermeister Mezzetti warnte hingegen davor, den Fall zu instrumentalisieren. "Wir brauchen jetzt keine Spaltung, sondern Zusammenhalt", sagte der Chef der rechten Regierungspartei Lega.

Am Sonntagabend fand eine Kundgebung auf der Piazza Grande in Modena statt. Daran beteiligten sich circa 1.500 Personen. Die Stadt müsse nach den jüngsten Ereignissen "ihre lebendige und solidarische Seite weiterhin beibehalten", sagte der Bürgermeister.

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