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Chronik Welt
01/16/2020

Indonesien gibt Jakarta als Hauptstadt auf

Die Hauptstadt auf der Insel Java versinkt, auf der Insel Borneo wird deshalb eine neue Kapitale gebaut.

von Susanne Bobek

Indonesien hat beschlossen, im Dschungel der Insel Borneo eine neue Hauptstadt aus dem Boden zu stampfen. Eine Hauptstadt für die Zukunft, eine Smart City mit bester Infrastruktur.
Denn das schnell und chaotisch wachsende Jakarta auf der Insel Java liegt bereits zu 40 Prozent unter dem Meeresspiegel und droht buchstäblich zu versinken. Ständige Hochwasser machen den zehn Millionen Menschen das Leben zeitweise zur Hölle.

In der Hauptstadt sind nur 60 Prozent der Haushalte an das Leitungswassernetz angeschlossen. Etwa die Hälfte der Hauptstädter lebt von Wasser aus illegal gebohrten Brunnen. Auch die vielen Großbaustellen beziehen ihr Wasser meist direkt aus dem Boden unter ihnen. Öffentliche Gebäude dürfen sogar legal Wasser aus eigener Bohrung nutzen. Das Resultat: Der weiche Untergrund aus Sand und Lehm, auf dem Jakarta gebaut ist und in dem das Grundwasser gespeichert ist, wird leergesaugt und sinkt dabei in sich zusammen.

Präsident Joko Widodo will die Regierung und das Parlament deshalb in eine neu zu bauende Stadt bei Balikpapan im Osten von Borneo übersiedeln und hat dafür, wie die Times berichtet, auch schon Financiers gefunden.

Ob alle Einwohner von Jakarta mitübersiedeln werden, ist allerdings mehr als fraglich und wohl auch nicht finanzierbar.

Tony Blair mischt mit

In Abu Dhabi hat sich ein Konsortium gegründet, das für das Hauptstadt-Projekt 23 Milliarden Dollar (ursprünglich waren 30 Milliarden veranschlagt) lockermachen will. Zu dem Konsortium gehören der ehemalige britische Premier Tony Blair, der Kronprinz von Abu Dhabi, Sheikh Mohammed bin Zayed, und der reichste Mann Japans, Masayoshi Son, ein Internet-Pionier und Mobilfunkanbieter.

Vorbild Abu Dhabi

In Abu Dhabi hat die Regierung eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Technology Strategies Middle East abgeschlossen. Ziel ist es, ein breit angelegtes Smart-City-Projekt in die Tat umzusetzen, bei dem das Internet der Dinge genutzt werden soll. In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, entsteht das Pilotprojekt. Die ökologischen, sozialen und finanziellen Aspekte des städtischen Lebens verändern sich digital gesteuert.

Am Beispiel von zehn Anwendungspunkten: Luftqualitäts-, Logistik-, strukturelle Zustandsüberwachung, Wassermessung, Palmenkäfererkennung, Straßenbeleuchtung, intelligentes Parken, Abfallmanagement, Wassertanküberwachung und Schwimmbadkontrolle werden komplett digitalisiert.

Der indonesische Präsident Joko Widodo will genau diesen Weg gehen. „Indonesien braucht eine smarte, grüne und schöne Stadt“, sagt er: „Wir müssen über die großen Interessen der Nation sprechen – auch, wie sich ein so großes Land dem globalen Wettbewerb stellt.“

Etwa zehn Jahre dürfte der Umzug dauern. Umweltschützer sehen die „grüne Lunge“ Borneo ernsthaft in Gefahr, weil es auch dort jedes Jahr zu Bränden kommt.

So ganz einzigartig ist die Idee nicht: Brasilia wurde als Hauptstadt gegründet und auch Ägypten spielt mit dem Gedanken, seine Hauptstadt Kairo zu „verlagern“. Weg von Kairo, etwa 50 Kilometer weiter in Richtung Osten.