Ließ Erntehelfer verbluten: Landwirt in Italien verurteilt
Nach Schätzungen sind in der italienischen Landwirtschaft etwa 230.000 Menschen illegal beschäftigt - auch viele Migranten aus Ländern wie Indien oder Pakistan
Zusammenfassung
- Ein Gericht in Latina verurteilte einen 39-jährigen Landwirt zu 16 Jahren Haft, weil er den indischen Erntehelfer Satnam Singh nach einem schweren Arbeitsunfall nicht ins Spital brachte und ihn verbluten ließ.
- Der Fall aus dem Sommer 2024 sorgte international für Aufsehen, nachdem der 31-Jährige auf einem Feld südlich von Rom in eine Maschine geraten war, die ihm den Arm abtrennte und die Beine zerquetschte.
- Der Prozess rückte die Ausbeutung in der italienischen Landwirtschaft in den Fokus, wo laut Schätzungen rund 230.000 Menschen illegal arbeiten und oft nur drei bis vier Euro pro Stunde verdienen.
In Italien hat ein Landwirt einen Erntehelfer aus Indien nach einem Arbeitsunfall auf dem Feld verbluten lassen - jetzt wurde er deshalb zu 16 Jahren Haft verurteilt. Ein Gericht in Latina südlich von Rom sprach den 39-Jährigen der vorsätzlichen Tötung für schuldig. Der Fall hatte im Sommer 2024 weit über Italien hinaus für Aufsehen gesorgt. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf die teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Arbeiter aus Asien, die für Billigstlöhne schuften.
Der 31 Jahre alte Inder war bei der Arbeit auf einem Feld im Süden Roms in eine Maschine geraten, die ihm den rechten Arm abtrennte und die Beine zerquetschte. Sein Arbeitgeber brachte ihn nach dem Unfall aber nicht ins Krankenhaus, sondern fuhr ihn mit einem Lieferwagen zu seiner Behausung und ließ ihn dort liegen. Der abgetrennte Arm wurde in einer Obstkiste daneben entdeckt. Eineinhalb Tage später erlag der Inder im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Schätzung: 230.000 Menschen illegal beschäftigt
Der Inder - ein Mann namens Satnam Singh - war 2021 zusammen mit seiner Frau nach Italien gekommen. Nach Schätzungen sind in der italienischen Landwirtschaft etwa 230.000 Menschen illegal beschäftigt - auch viele Migranten aus Ländern wie Indien oder Pakistan, die zu Stundenlöhnen von drei oder vier Euro oder noch weniger arbeiten.
Der Unfall hatte sich auf einem Feld nahe der Gemeinde Borgo Santa Maria, etwa 60 Kilometer südlich von Rom ereignet, wo insbesondere Melonen und Zucchini angebaut werden. Singh geriet in eine Maschine, mit der die Felder großflächig mit Plastik überzogen werden. Seine Frau gab zu Protokoll: „Ich habe den Besitzer angefleht, uns zu helfen, ich habe ihn auf Knien angefleht. Aber er hat uns vor dem Haus abgesetzt und ist weggelaufen.“ Erst Nachbarn alarmierten den Notruf.
Staatsanwaltschaft hatte noch höhere Strafe beantragt
Singh wurde mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Rom geflogen, wo er infolge seiner Verletzungen starb. Der Arbeitgeber erläuterte sein Verhalten damit, dass er in Panik geraten sei. Die Staatsanwaltschaft hatte 22 Jahre Haft gefordert. Gegen das Urteil, das am Mittwochabend erging, sind noch Rechtsmittel möglich. Häufig wird die Ausbeutung durch ein System organisiert, bei dem illegale Mittelsmänner als Vermittler zwischen Betrieben und Arbeitern auftreten und einen Großteil des Lohns einbehalten.
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