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Chronik Welt
02/14/2019

Hoffnung auf Rückkehr: IS-Anhängerin will in England Kind zur Welt bringen

2015 reisten drei Schulmädchen von London nach Syrien, um IS-Kämpfer zu heiraten. Nun will eines von ihnen zurück.

von Fee Niederhagen

Die 19-jährige Britin Shamima Begum ist 2015 zusammen mit zwei Mitschülerinnen nach Syrien gereist, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Die Mädchen hatten sich damals „beworben“ um englischsprachige Kämpfer „zwischen 20 und 25“ zu heiraten. Begum wurde kurz darauf die Ehefrau eines 27-jährigen Konvertiten aus den Niederlanden, mit dem sie vor zwei Wochen aus Baghuz, dem letzten verbliebenen Territorium des IS in Syrien, entkommen ist.

Von den anderen Mädchen sei eines bei einem Bombenanschlag getötet worden, von der anderen jungen Frau gibt es keine Kenntnis über ihren Verbleib. Einem Bericht der Times zufolge, will Begum nun zurück nach England, um dort ihr noch ungeborenes Kind aufzuziehen.

Keine Reue

Obwohl Begum nicht bereut, sich dem IS angeschlossen zu haben, pocht sie nun darauf, zurückzukommen. Ihre zwei anderen Kinder seien in einem Flüchtlingslager in Baghuz verstorben, eines an den Folgen von Unterernährung. Sie habe „Angst, dass auch dieses Baby krank wird.“ In Großbritannien erhofft sie sich eine bessere medizinische Versorgung, sie wisse, dass sich dort um das Kind gekümmert werde, „zumindest was die Gesundheit angeht“.

Aus ihrem Leben in der Terrormiliz berichtet sie unbeeindruckt: "Es war wie ein normales Leben, nur dass hin und wieder Bomben fielen." Der erste abgetrennte Kopf eines Kämpfers, den sie in einem Mülleimer habe liegen sehen, störte sie überhaupt nicht. Begum dachte daran, was ein solcher Kämpfer einer muslimischen Frau antun würde, "wenn er die Chance bekäme."

Weil der IS nahezu geschlagen sei und immer kleiner werde, macht sich Begum keine Hoffnungen mehr auf einen Sieg der Gotteskrieger: "Es gibt viel so Unterdrückung und Korruption, dass ich nicht glaube, dass sie den Sieg verdient haben."

Geringe Chancen

Dass die Londonerin keinen grundlegenden Sinneswandel zeigt, lässt ihre Chancen auf ihre Einreise schrumpfen. Die britische Regierung macht deutlich, dass sie keine Rückkehr der IS-Anhängerin wollen.

Die 19-Jährige fällt in die Kategorie der Unterstützer, wird also nicht als staatenlose Terroristin gehandelt. Die Regierung wolle ihr nicht helfen, aus Syrien auszureisen. Sollte sie es jedoch in einen Staat mit einer anerkannten Regierung schaffen, würde man überlegen, "was man tun könnte". In England bestünde dann die Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung und einer Gefängnisstrafe wegen Unterstützung einer terroristischen Gruppierung.