Maike Kohl-Richter (55)

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Chronik Welt
05/22/2019

Helmut Kohls Witwe zieht in den Krieg

Prozess um die Memoiren des deutschen Alt-Kanzlers. Peter Kohl, der Sohn sagte gegen seine Stiefmutter aus.

von Susanne Bobek

Es gehe Maike Kohl-Richter darum, „die Deutungshoheit über das politische Erbe von Helmut Kohl zu erlangen und auf Ewigkeiten zu besetzen“, sagte Kohls Sohn Peter (54) am Mittwoch als Zeuge in einem Verfahren vor dem Landgericht Köln. Für diese Aufgabe sei Kohl-Richter aber nicht qualifiziert. „Sie ist keine Historikerin, sie war 50 Jahre nicht dabei. Sie hat keine Ahnung“, sagte Peter Kohl über seine ihm in Hass verbundene Stiefmutter. Nach dem Tod seines Vaters durfte er mit den Enkeln nicht einmal ins Haus in Oggersheim.

Kohl-Richter zog am Mittwoch wieder einmal vor Gericht. Die 55-jährige Witwe des 2017 verstorbenen deutschen Kanzlers Helmut Kohl will weitere Passagen aus dem Bestseller „Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle“ von Heribert Schwan verbieten lassen. Schwan hatte als Ghostwriter Kohls 600 Stunden Tonmaterial in sogenannten Kellergesprächen gesammelt. Am Ende haben sich der Journalist und der Kanzler wegen Maike zerstritten. Daraufhin veröffentlichte Schwan ein Buch mit deftigen Zitaten Kohls über andere Politiker. Kohl tadelte etwa Angela Merkel wegen ihrer Tischmanieren.

Vor Gericht soll geklärt werden, ob Ghostwriter Schwan die brisanten Textpassagen ohne Freigabe durch Kohl veröffentlichen durfte oder nicht. Der Verlag Random House nominierte Peter Kohl als Zeugen, weil der einmal den berühmten „Kellergesprächen“ beiwohnen durfte.

Der kranke Vater

Am Mittwoch warf Peter Kohl seiner Stiefmutter vor, ihn seit Jahren mit Anwaltsschreiben zu überziehen: „Das ist schon eine Beeinträchtigung der Lebensqualität.“ Bei manchen Briefen, die angeblich noch sein Vater geschrieben habe, bezweifelten er und der Rest der Familie, dass der zuletzt schwer kranke Kohl tatsächlich der Verfasser und Unterzeichner gewesen sei.

Maike Kohl-Richter kämpft um Schadenersatz in der Buch-Causa. Eine Million Euro, die noch im Namen Helmut Kohls erstritten wurden, durften an die Witwe nicht mehr ausbezahlt werden: Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Schadenersatz nicht vererbbar ist.

Kohl hatte mit 78 Jahren 2008 zum zweiten Mal geheiratet, nachdem er einen schweren Sturz erlitten hatte. Seit dieser Zeit wurden seine Söhne und ehemaligen Weggefährten nicht mehr vorgelassen. Maike Kohl-Richter wird in der Öffentlichkeit oft als machtbesessene Witwe dargestellt, die so tut, als wäre sie schon während der langen Kanzlerschaft ihres Mannes von 1982 bis 1998 dabei gewesen. Dabei war Helmut Kohl 41 Jahre mit seiner ersten Frau Hannelore verheiratet gewesen.

In einem ihrer seltenen Interviews erklärte Kohl-Richter, warum sie gegen die Veröffentlichung der „Kohl-Protokolle“ kämpft. „Es geht ja nicht um einen Blechschaden am Auto“, sagte sie. „Es geht darum, was von dem Staatsmann Helmut Kohl in Erinnerung bleibt.“