Chronik | Welt
04.09.2018

Heiligenkreuzer Mönche im Osten

Klostergründung in Ostdeutschland. Sechs Zisterzienser beleben einen Wallfahrtsort bei Frankfurt a.d. Oder neu

„Wir wollen hier einen neuen Anlauf- und Anziehungspunkt begründen, wo Glaube, Liebe und Hoffnung gelebt werden und die Menschen Gemeinschaft erfahren können“, sagte der Heiligenkreuzer Abt Maximilian Heim im neuen Tochterkloster der Zisterzienser in Ostdeutschland. Er sei anfangs sehr zurückhaltend gewesen. Aber jetzt habe er ein „kindliches Vertrauen, dass es hier gut werden wird“.

Neue Klostergründungen sind selten. Umso erstaunlicher ist, dass sechs Zisterziensermönche aus dem Stift Heiligenkreuz bei Wien nach Ostdeutschland ziehen, wo die meisten Menschen evangelisch oder längst aus der Kirche ausgetreten sind. Wo Fremdenfeindlichkeit auf dem Vormarsch ist und die rechtspopulistsche AfD immer mehr Zuspruch erfährt. Aber die singenden Mönche aus Heiligenkreuz werden auch in Deutschland bewundert.

Im brandenburgischen Neuzelle bei Frankfurt an der Oder bezogen die katholischen Mönche eine 750 Jahre alte Klosteranlage, die am Sonntag im Rahmen eines Wallfahrtgottesdienstes eingeweiht wurde. Und über 1800 Menschen waren gekommen, um mitzufeiern.

Leuchttürme des Geistes

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch von der SPD würdigte die Zisterzienser aus Heiligenkreuz als „Leuchttürme des Geistes und der Spiritualität“. Es sei ein Glücksfall für Brandenburg, dass in einer Region mit mehrheitlich nicht religiös gebundener Bevölkerung nun ein „Ort des Austausches über unterschiedliche Weltanschauungen“ werden könne.

Auf Initiative des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt wurden die Heiligenkreuzer Mönche ausgewählt. Sie sollen zeigen, dass sich die Suche nach Gott lohne. Denn „Verunsicherung, Herumirren, Haltlosigkeit, ja auch Zorn und Hass machen sich manchmal schnell breit“, spielte der Bischof auf die Demonstrationen in Chemnitz an. An die Mönche gerichtet, sagte er: „Seien Sie frohe Gefährten für die Menschen, die hierher nach Neuzelle kommen und nach Antworten für ihr Leben suchen.“

1817 verstaatlicht

Neuzelle ist eine der wenigen vollständig erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen. Doch die Preußen beendeten dort 1817 das klösterliche Leben und verstaatlichten den Kirchenbesitz. Seit Beginn der 1990er-Jahre wurde die barocke Anlage um 52 Mio. Euro renoviert.

Jetzt soll Neuzelle als Wallfahrtsort wieder aufleben. 120.000 Besucher kommen schon jetzt pro Jahr. Die singenden Mönche aus Heiligenkreuz sollen nach 200 Jahren wieder Leben in die alten Gemäuer bringen.