Chronik | Welt
14.09.2018

Hambacher Forst: Polizei setzte Räumung der Baumhäuser fort

Wald soll Braunkohleabbau weichen. Streit um Hambacher Forst spaltet deutsche Kohlekommission.

Nach einer Nacht ohne Zwischenfälle im Hambacher Forst hat die Polizei am Freitag die Räumung der Baumhäuser von Umweltschützern und Braunkohlegegnern fortgesetzt. Nach Angaben einer Polizeisprecherin waren bereits am frühen Morgen wieder mehrere Hundertschaften zum Einsatz an Ort und Stelle.

Am Donnerstag hatten Spezialkräfte die ersten Aktivisten aus den Baumhäusern geholt und einige der jahrelang geduldeten Bauten zerstört. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen. In der Nacht sicherten Polizisten die bereits geräumten Waldstücke ab.

Nahezu 4.000 Hektar gerodet

Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Waldes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können. Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4.100 Hektar groß. Nach Angaben des Tagebau-Betreibers RWE Power wurden bisher 3.900 Hektar für den Kohleabbau gerodet.

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Kontroverse

Der Streit um das Braunkohlerevier Hambacher Forst entzweit die von der deutschen Bundesregierung eingesetzte sogenannte Kohlekommission. "Der Tagebau Hambach ist genehmigt und bisher in allen Instanzen bei gerichtlichen Überprüfungen bestätigt worden", sagte Kommissionsmitglied Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dem "Handelsblatt" (Freitag). "Deshalb ist es in einem Rechtsstaat nur konsequent, dass RWE dann auch den Tagebau weiterführen kann."

Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und Mitglied der Kohlekommission, kritisierte die Proteste gegen die geplante Rodung: "Der Hambacher Forst steht schon länger nicht mehr nur für friedlichen Protest und eine offene Streitkultur."

Dagegen sagte Kommissionsmitglied Martin Kaiser, der zugleich Geschäftsführer von Greenpeace ist, die "unverantwortliche Räumung unter vorgeschobenen Gründen" belaste "die bisher vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit in der Kohlekommission massiv". Auch der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) und der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, beide ebenfalls in der Kohlekommission vertreten, bewerteten die Räumung als kontraproduktiv.