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Chronik | Welt
07/04/2019

Frau des Emirs von Dubai ist auf der Flucht

Die jordanische Prinzessin ist untergetaucht, zwei Töchter des Emirs versuchten zu fliehen und stehen unter Hausarrest.

Die Frau des Emirs von Dubai hat ihren Mann verlassen und ist mit ihren zwei Kindern untergetaucht. Mohammed bin Raschid Al Maktoum, 69, Premierminister, Verteidigungsminister und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, einer der reichsten Männer der Welt, lässt sie suchen. Am 30. Juli findet in London eine Anhörung vor einem Familiengericht statt.

Die Frau des Emirs ist die jordanische Königstochter Haya bint al-Hussein, 45. Sie hat ihre Flucht aus Dubai offenbar akribisch vorbereitet und ihre zwei Kinder Zayed, 7, und Al Jalila, 11, sowie 35 Millionen Euro mitgenommen. Die New York Times berichtet, dass die Prinzessin in London politisches Asyl beantragt hat. Vorher hieß es, Haya verstecke sich in Deutschland. Offizielle Auskünfte gibt es nicht.

Todes-Gedicht

Der Emir tobt. „Du lebtest und du starbst“ betitelte er ein Gedicht, das er auf seiner Poesie-Website veröffentlichte: „Du Betrügerin hast das wertvollste Vertrauen missbraucht und dein Spiel wurde offenbar. Mir ist egal, ob du lebst oder stirbst.“

Haya wäre nicht die erste arabische Ehefrau oder Tochter, die nach einem Fluchtversuch gewaltsam zurückgeführt und eingesperrt wird. Das weiß sie aus nächster Nähe. Mohammed bin Raschid Al Maktoum ist bekannt dafür, seine Familie mit sechs Ehefrauen und mindestens 23 Kindern streng unter Kontrolle zu halten und diese sogar mit Gewalt an sich zu binden.

Im Vorjahr machte bereits eine Tochter des Emirs Schlagzeilen. Die 33-jährige Sheika Latifa wollte vom Oman per Jetski und dann mit einer Yacht nach Goa in Indien kommen, um von dort in die USA zu fliegen und politisches Asyl zu beantragen. Laut ihren Fluchthelfern, dem französischen Doppelagenten Hervé Jaubert und Latifas finnischer Kampfsportlehrerin Tiina Jauhiainen, stoppten fünf Kriegsschiffe die Yacht in indischen Gewässern und brachten Sheika Latifa zurück nach Dubai.

Die junge Frau hatte vor ihrer Flucht ein Video aufgenommen und darin ihren Vater als das „Böse in Person“ bezeichnet. Er sei für den Tod Dutzender Menschen verantwortlich. Unter anderem habe er eine Ehefrau ihres Onkels nach dessen Tod umbringen lassen, weil er sie nicht mochte und sie ihm zuviel geredet habe.

Folter und Drogen

Sie selbst sei gefoltert und unter Drogen gesetzt worden, als sie gegen das System aufbegehrte. Mit 16 habe sie schon einmal fliehen wollen, doch an der Grenze sei sie erwischt worden. Drei Jahre war sie danach eingesperrt.

Ähnliches sei ihrer Schwester Schamsa widerfahren, die mehrere Wochen in Großbritannien auf der Flucht war, bis sie von den Häschern ihres Vaters wieder eingefangen wurde. Schamsa müsse nun Tabletten nehmen, „die einen zum Zombie machen“ und werde rund um die Uhr bewacht.

Sheika Latifa ist seit ihrer missglückten Flucht nicht mehr erreichbar. Nur vor Weihnachten erhielt sie auf Wunsch des Emirs Besuch von der früheren UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson. Die Bilder, die zeigen sollten, wie gut es ihr gehe, zeigten eine verstörte, fast abwesende Latifa. Ihre Stiefmutter Haya wollte vermitteln und der jungen Frau helfen. Nun ist die Politologin und Springreiterin selbst in höchster Gefahr.