Chronik | Welt
07.08.2018

Explosion nach Karambolage in Bologna: Ablenkung als Ursache

Verheerende Kettenreaktion, Lkw-Fahrer getötet. Diskussion über Sicherheit von Gefahrentransporten.

Eine Karambolage soll das Unglück auf der Autobahn-Tangente in Borgo Panigale an der Peripherie von Bologna ausgelöst haben, bei dem am Montag ein Lkw mit Flüssiggas an Bord explodiert ist und eine Kettenreaktion von Explosionen ausgelöst hat. In dem Fahrzeug befand sich ein 42-jähriger Italiener, der ums Leben gekommen ist.

Tanklaster prallte gegen Lkw

Der Tanklaster prallte gegen einen Lkw am Ende eines Staus, die Fahrzeuge fingen Feuer. Nach wenigen Minuten explodierte der Tanklaster. Die Explosion führte zum Einsturz eines Großteils einer Autobahnbrücke auf der A14, die ein für Italiens Nord-Süd-Achse entscheidender Knotenpunkt ist. Der Explosion folgte eine verheerende Kettenreaktion: Brennende Trümmerteile setzten Autos vor einem Autohaus in der Nähe in Brand, die ebenfalls explodierten.

Minutenlange Detonationen

Die Detonationen erschütterten ein Restaurant mit Glasdach, vor dem ein Auto geparkt war. Fensterscheiben barsten. Acht Minuten lang hörte man von überall her Explosionen, berichteten Zeugen. Flammen und dunkler Rauch stiegen auf. Dutzende Anrainer wurden evakuiert. Rund 80 Verletzte wurden gemeldet, unter ihnen mehrere Polizisten.

Nach dem Unglück gab es in Italien eine vehemente Diskussion über gefährliche Transporte. 10.000 Lkw mit Gas, Öl und anderer leicht entflammbarer Ladung würden täglich auf Straßen und Autobahnen verkehren. "10.000 Bomben bedrohen täglich die Sicherheit auf den italienischen Autobahnen", kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica". Jährlich würden 3,5 Millionen Lkw mit gefährlicher Ladung auf den italienischen Straßen verkehren. Der Frächterverband Conftrasporto rief die Polizei auf, festzustellen, ob der explodierte Lkw die Sicherheitsvorkehrungen für den Transport von Flüssiggas erfüllte. Die Opposition verwies auf mangelnde Sicherheit auf dem vor allem in den Sommermonaten stark befahrenen italienischen Autobahnnetz.

"10.000 Bomben bedrohen täglich die Sicherheit auf den italienischen Autobahnen"

Kommentar in der Tageszeitung "La Repubblica"

"Man muss Speditionsfirmen helfen, ihre Lkw zu modernisieren", erklärte der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli am Dienstag. Ebenso seien mehr Investitionen für Verkehrssicherheit nötig.Lkw-Verkehr müsse verstärkt auf die Schiene verlegt werden, um die italienischen Autobahnen zu entlasten. Zugleich müsse man die Arbeitsbedingungen der Lkw-Fahrer verbessern. "Aus den Bildern des Unglücks geht hervor, dass die Karambolage, die zur Explosion geführt hat, durch Ablenkung verursacht worden ist", so Toninelli im Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Dienstag-Ausgabe). Ermittlungen sollen klären, ob der mit Flüssiggas beladene Lkw, der auf der Autobahn-Tangente in Bologna explodiert ist, allen Sicherheitsstandards entsprach.

Der italienische Premier Giuseppe Conte, der am Dienstag einige Schwerverletzte in Krankenhäusern in Bologna und Cesena besuchte, versprach seinen vollen Einsatz zur Vorbeugung weiterer Tragödien dieser Art. Die Gesetze für den Transport von gefährlichem Material seien in Italien streng. Kontrollen müssten jedoch strenger sein.