Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

EU-Umfrage: Was Kinder und Jugendliche wirklich über Social Media denken

Knapp die Hälfte vermutet einen positiven Effekt durch soziale Netzwerke. Eltern unterschätzen Bildschirmzeit.
Tiktok

Jugendliche in der EU sehen die Auswirkungen von Social Media auf ihre eigene mentale Gesundheit laut einer Umfrage deutlich positiver als ihre Eltern. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der befragten 13- bis 18-Jährigen vermutet einen positiven Effekt durch soziale Netzwerke, wie aus einer von der EU-Kommission beauftragten Umfrage hervorgeht, bei der auch Österreich teilnahm. Bei den befragten Eltern liegt der Anteil nur bei etwa 21 Prozent.

Für Österreich wurden 500 Eltern von Kindern und Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren befragt, EU-weit nahmen 12.750 Eltern teil. Das berichtete das Bundeskanzleramt in einer Aussendung am Mittwoch und hielt zu den österreichischen fest, dass hier 53 Prozent der Befragten zusätzliche Altersgrenzen oder Einschränkungen als eine der wirksamsten Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen im Internet nannten. Damit lag diese Maßnahme klar an erster Stelle.

Ministerin Bauer sieht sich bestätigt

„Die Zahlen zeigen sehr klar: Viele Eltern wünschen sich mehr Schutz für ihre Kinder. Und sie haben recht. Kinder kommen heute viel zu früh mit Inhalten in Kontakt, mit denen sie noch nicht umgehen können. Deshalb braucht es eine Altersgrenze für Social Media“, wurde Europa- und Jugendministerin Claudia Bauer (ÖVP) zitiert. Jedoch löse ein solches Verbot nicht alles, so Bauer weiter. Es brauche auch mehr Medienbildung und Unterstützung für Eltern und Schulen. „Aber solange Plattformen ihrer Verantwortung nicht nachkommen, müssen wir handeln und Kinder besser schützen.“

Während die jungen Menschen zu 18 Prozent von negativen Auswirkungen durch ihre Social-Media-Nutzung ausgehen, vermuten etwa 36 Prozent der Eltern solche Effekte. Die kritische Haltung der österreichischen Eltern war hier stärker ausgeprägt, denn 44 Prozent sahen einen negativen Einfluss sozialer Medien auf das Wohlbefinden ihres Kindes.

Eltern unterschätzen Bildschirmzeit

Gleichzeitig unterschätzen Eltern, wie viel Bildschirmzeit ihre Kinder nach eigenen Angaben haben. Im Schnitt verbringen die Jugendlichen demnach 4,5 Stunden an einem Schultag und 6,1 Stunden an Samstagen oder Sonntagen vor Handys, Tablets oder dem Fernseher. Sie geben damit also jeweils rund eine Stunde mehr Konsum an, als ihre Eltern vermuten. Jeder zweite befragte Elternteil in Österreich war hier der Ansicht, dass das eigene Kind zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringt. Damit liegt Österreich auch hier über dem EU-Durchschnitt von 44 Prozent. Bei sozialen Medien hielten 44 Prozent der österreichischen Eltern die Nutzungsdauer ihres Kindes für zu hoch, EU-weit sind es 39 Prozent.

Zwar kann die Befragung laut den Ergebnissen eine Verbindung zwischen der Bildschirmzeit und abgefragten Auswirkungen wie Kopfschmerzen, Einschlaf- oder Konzentrationsprobleme bei den Kindern aufzeigen. Aber im Bericht heißt es, die Resultate sollten nicht als Beweis für einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der Bildschirmzeit und den Angaben zur mentalen Gesundheit interpretiert werden. Es wäre also auch möglich, dass Jugendliche, denen es bereits schlechter geht, soziale Medien oder Videospiele intensiver nutzen.

Social-Media-Verbot in der EU? Vorschläge der Experten im Juli

Parallel zur Veröffentlichung der Ergebnisse beendete eine von der EU-Kommission eingesetzte Expertengruppe zu dem Thema ihr letztes Treffen. Die Fachleute sollen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch hinsichtlich der Frage beraten, ob ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sinnvoll wäre. Am 13. Juli sollen sie laut Mitteilung der Brüsseler Behörde nun ihre Empfehlungen abgeben.

In Österreich ist ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren geplant. Die Politik arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf, der anschließend mit der EU abgestimmt werden muss. Der genaue Zeitplan ist noch unklar, ebenfalls welche Plattformen genau von dem Verbot betroffen sein werden.

Kommentare