Coronavirus in Italy

© EPA / NICOLA FOSSELLA

Chronik Welt
02/23/2020

Coronavirus: Drastische Maßnahmen nach zweitem Todesfall in Italien

Alle Universitäten in der Lombardei geschlossen. In Kärntens Nachbarregion Friaul-Julisch Venetien wurde Notstand ausgerufen.

Schulen wurden geschlossen, Restaurants, Diskotheken, Lebensmittelgeschäfte, Sportzentren ebenso – und das soll in  zehn Gemeinden in der norditalienischen Provinz Lodi (Lombardei) mindestens eine Woche lang so bleiben. In dieser Zeit wurden auch alle öffentlichen Veranstaltungen, wie Gottesdienste oder Karnevalsfeiern, abgesagt. Die 50.000 Einwohner der betroffenen Gebiete wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Zur Durchsetzung dieser Maßnahmen könnte sogar das Militär eingesetzt werden.

Die italienische Regierung arbeitet an einer Verordnung mit einer Reihe von Sondermaßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie. Der Ministerrat, der am Samstagabend in Rom tagte, prüfte mehrere Maßnahmen. In der gesamten Lombardei werden die Universitäten bis zum 2. März geschlossen, in der Lombardei und Venetien am Sonntag alle Sportveranstaltungen abgesagt, darunter das Serie-A-Spiel Inter MailandSampdoria Genua. Auch der Karneval von Venedig könnte früher beendet werden. Die bekannte Mailänder Brillenmesse MIDO, die von 29. Februar bis 2. März stattfinden sollte, wurde auf Ende Mai verlegt.

Erster Corona-Toter in Europa

Grund der radikalen Maßnahmen: Das Corona-Virus breitet sich rasch aus. Am Samstag stieg die Zahl der Erkrankten in der Lombardei, dem Piemont und in Venetien weiter stark an. Ein 78-jähriger Pensionist aus Padua erlag dem Virus – er war das erste europäische Corona-Opfer und vor etwa zehn Tagen wegen einer anderen Krankheit in einem Krankenhaus in der Region Venetien .Nur Stunden später starb eine 77-jährige Italienerin, die mit einem infizierten 38-jährigen Mann in der Lombardei in Kontakt gekommen sein könnte, teilten die Gesundheitsbehörden am Samstag mit. 

Im Norden des Landes hat ein Run auf  Atemschutzmasken eingesetzt, in vielen Städten sind sie  ausverkauft. Premier Giuseppe Conte sagte  nach der Krisensitzung der Regierung: „Wir möchten die Bevölkerung beruhigen. Wir haben alle Personen unter Quarantäne gestellt, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind.“ Der Premier versicherte auf Facebook, dass seine Regierung entschlossen auf den Notstand reagieren werde. Er schloss nicht aus, dass das Kabinett weitere Maßnahmen zur Eingrenzung der Epidemie in Norditalien ergreifen könnte.

Lombardei im Ausnahmezustand

Mindestens 76 Menschen sind mittlerweile in Italien infiziert. 47 Fälle wurden allein in der Lombardei gemeldet, der Herd wurde in der Provinz Lodi lokalisiert. Die Epidemie ist eine Hiobsbotschaft für die Lombardei, den "wirtschaftlichen Motor" Italiens. „Wir wollen alles Erdenkliche unternehmen, um eine Pandemie zu vermeiden“, sagte der Präsident der Region, Attilio Fontana. 300 Patienten und 150 Mitarbeiter eines Krankenhauses in Schiavonia bei Padua wurden vorsichtshalber Kontrollen unterzogen und dürfen seit Freitag nicht das Spital verlassen. In der 72.000-Einwohner-Stadt Cremona wurden die Schulen geschlossen. Die lombardische Bahngesellschaft Trenord beschloss, nicht mehr in der Kleinstadt Codogno zu halten, wo ein Mann positiv auf das Virus getestet worden war. Der Mann, der in kritischem Zustand im Krankenhaus liegt, soll seine schwangere Frau angesteckt haben.

Neue Fälle sind auch in der Region Venetien und im Piemont gemeldet worden. Obwohl bisher kein Verdachtsfall bestätigt worden ist, hat Kärntens italienische Nachbarregion Friaul-Julisch Venetien bis zum 31. Juli den Notstand wegen des Coronavirus ausgerufen. Damit kann die Region Maßnahmen zur Abwendung der Epidemie ergreifen, berichtete der Präsident Friauls, Massimiliano Fedriga, nach einem Treffen mit dem Zivilschutz am Samstag in Triest.

WHO: Inkubationszeit könnte doch länger sein

Die Inkubationszeit könnte nach chinesischen Angaben länger sein als die bisher angenommenen zwei Wochen. Ein 70-jähriger Mann in der Provinz Hubei habe sich mit dem Coronavirus infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilte die Provinzregierung mit. Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen.

Rasanter Anstieg in Südkorea

Südkorea meldete 87 neue Infektionsfälle. Damit steige die Zahl auf insgesamt 433 Fälle, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap und berief sich auf die Gesundheitsbehörden. Einen der bestätigten Infektionsfälle meldete der Elektronikkonzern Samsung in seinem Werk in Gumi in Südkorea. Die Niederlassung, in der Mobiltelefone hergestellt werden, sei geschlossen worden.

Auch von dem vor der japanischen Küste liegenden Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" könnte sich das Virus weiter ausbreiten. Nachdem am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen durften, erwiesen sich mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere als infiziert. Sechs deutsche Passagiere wurden am Freitag an Bord einer italienischen Maschine aus Japan ausgeflogen, wie das Auswärtige Amt im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte.

Der Iran meldete am Samstag zehn neue Infektionsfälle. Einer der Patienten sei gestorben, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Insgesamt sind im Iran damit 28 Fälle bekannt, fünf dieser mit dem Coronavirus infizierten Menschen starben.

Rund 76.000 Infizierte in China

Aus China, dem Epizentrum des Virusausbruchs, meldeten die Behörden am Samstag hingegen erneut sinkende Ansteckungszahlen und Todesfälle: 109 Menschen starben demnach seit Freitag an dem Virus, was die Zahl der Todesopfer auf über 2300 steigen lässt. Insgesamt sollen den Behörden zufolge nun rund 76.000 Menschen mit dem Virus infiziert sein.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Politbüro-Sitzung, der Höhepunkt der Epidemie sei "noch nicht gekommen", vor allem die Lage in der Provinz Hubei sei weiterhin "düster und kompliziert". In Hubei war im Dezember der Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19 erstmals bei Menschen festgestellt worden.

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