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Chronik Welt
08/15/2021

Erdbeben in Haiti: Zahl der Todesopfer steigt und steigt

Hunderte weitere Menschen werden vermisst. Für Montag wird zudem der Tropensturm "Grace" erwartet.

Bei einem verheerenden Erdbeben in Haiti sind mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen. Bisher seien 724 Leichen geborgen worden, teilte die Katastrophenschutzbehörde am Sonntag mit. Hunderte weitere Menschen werden noch vermisst, mehr als 2.800 Menschen wurden bei dem Erdstoß der Stärke 7,2 am Samstag verletzt.

Das Erdbeben suchte Haiti zu einem Zeitpunkt heim, in dem das bitterarme Land mitten in einer schweren politischen Krise steckt. Diese war durch tödliche Attentat auf den Präsidenten Jovenel Moïse von Anfang Juli ausgelöst worden. Das Zentrum des Bebens nahe der Ortschaft Petit Trou de Nippes, etwa 150 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince, in einer Tiefe von zehn Kilometern, wie die US-Bebenwarte USGS mitteilte.

Es war bis Kuba und Jamaika zu spüren. Das Hauptbeben ereignete sich morgens gegen 8.30 Uhr Ortszeit, es folgten mehrere Nachbeben. In Port-au-Prince wurden Augenzeugen zufolge zunächst keine größeren Schäden beobachtet. Eine anfängliche Tsunami-Warnung wurde wenig später aufgehoben.

"Grace" naht

Das Beben richtete in mehreren Städten schwere Schäden an. Zahlreiche Gebäude stürzten ein, darunter ein mehrstöckiges Hotel in der Stadt Les Cayes. Zahlreiche Einwohner beteiligten sich an den Bergungsarbeiten. Dank der raschen Reaktion von Rettungskräften und Bürgern seien viele Verschüttete lebend geborgen worden, teilte der Zivilschutz mit. Regierungschef Ariel Henry rief einen einmonatigen Ausnahmezustand in den vier von dem Beben betroffenen Verwaltungsbezirken aus. Er appellierte an die Bevölkerung, "Solidarität zu zeigen" und nicht in Panik zu geraten.

In der vom Beben betroffenen Region gibt es allerdings nur wenige Krankenhäuser. Das Gesundheitsministerium entsandte zwar Personal und Medikamente, doch wurden die Hilfseinsätze durch die prekäre Sicherheitslage erschwert. Die einzige Straßenverbindung in die Katastrophenregion führt durch das Armenviertel Martissant von Port-au-Prince, wo seit Anfang Juni kriminelle Banden die Kontrolle übernommen haben.

Die Rettungsarbeiten könnten durch Tropensturm "Grace" zusätzlich behindert werden. Nach Angaben des US-Wetterdienstes solle "Grace" am späten Montag Haiti erreichen und für schwere Regenfälle und Sturzfluten sorgen.

Noch stärker als 2010

Das Erdbeben war noch etwas stärker als das verheerende Beben vom Jänner 2010, bei dem in Haiti mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 300.000 weitere verletzt worden waren. Rund 1,5 Millionen Menschen wurden damals obdachlos. Der Schaden an Wohnhäusern und Infrastruktur war immens. Haiti - der ärmste Staat des amerikanischen Kontinents - hat sich bis heute nicht von den Folgen des damaligen Bebens erholt. 

Die USA boten Soforthilfe an. Es mache ihn "traurig", dass Haiti in einer ohnehin schwierigen Zeit von einem Erdbeben getroffen worden sei, erklärte Präsident Joe Biden. Nach seinen Angaben wollen die USA bei der Bergung von Verletzten und dem Wiederaufbau helfen. Auch mehrere lateinamerikanische Staaten sowie Spanien stellten rasche Hilfen in Aussicht.

Spendenaufruf der Caritas

Das Österreichische Rotes Kreuz gab in einer Aussendung am Sonntag bekannt 75.000 Euro aus dem Katastrophenfonds zur Unterstützung der Opfer bereitzustellen. "Bitte helfen auch Sie", forderte Generalsekretär Michael Opriesnig. Das Erdbeben trifft jene Region, die schon 2016 von Hurricane Mathew stark betroffen war. "Wir befürchten, dass die Anzahl der Opfer und Verluste nach oben korrigiert werden muss. Die Spitäler sind bereits jetzt überlastet und zahlreiche Nachbeben erschweren die laufenden Tätigkeiten stark", prognostizierte Opriesnig.

Auch die Caritas rief zu Spenden auf. "Die Menschen sind in dieser unsicheren Lage umso dringender auf Hilfe von Außen angewiesen", so deren Präsident Michael Landau am Sonntag in einer Aussendung. "Jede Spende wird jetzt dringend gebraucht." Man sei in Kontakt mit den Partnerorganisationen, um die Lage einschätzen zu können sowie Unterstützung zu planen, so Michael Landau.

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