Klimaforscher Maraun zu Auswirkungen von El Niño für Österreich
Douglas Maraun ist Forscher und Leiter der Forschungsgruppe Regionales Klima am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. (LINK)
KURIER: Blicken die Klimaforscher auch aus Österreich jedes Jahr mit Sorge Richtung El Niño?
Douglas Maraun: Nein. El Niño tritt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf, mit heftigen Auswirkungen in vielen Weltregionen, vor allem um den pazifischen und indischen Ozean. Die Auswirkungen auf das Klima in Europa und Österreich bleiben da aber überschaubar und passieren wenn, dann im Winter. Für diesen Sommer wird El Niño keinen Einfluss auf Österreich haben.
Wie wirkt El Niño dann weltweit?
Der aktuelle El Niño baut sich erst auf, die Auswirkungen sind erst im späten Herbst und Winter dieses Jahres bis zum folgenden Sommer zu erwarten. Dann werden wir auch globale Auswirkungen sehen, weil das globale Wetter durcheinandergerät. In Indonesien und Australien können Dürreperioden und Waldbrände auftreten, in Südamerika werden Starkregen-Ereignisse zunehmen. Auch in den USA werden Auswirkungen erwartet, und sporadisch auch bei uns in Europa.
Wie kann man das erklären, dass Hitze, Dürre und Starkregen Auswirkungen sein werden?
Die Passatwinde in den Tropen drücken das Meerwasser weg von der Küste Südamerikas in Richtung Australien. Damit haben wir in Australien sehr warmes Wasser und an der Küste Südamerika quillt kaltes Wasser auf. Diese Temperaturunterschiede verstärken wiederum die Passatwinde. Deshalb haben wir typischerweise in Indonesien und Nordaustralien starken Monsunregen, in Südamerika ist es dagegen sehr trocken. Während eines El Niño bricht dieses System zusammen und die Regenbänder verschieben sich von Indonesien bis Südamerika. Es steigt damit aber auch das Risiko, dass der indische Sommer-Monsun nach einem El Niño ausfällt.
Gibt es vergleichbare Phänomene?
Nein, das ist ja das Besondere.
Stimmt es, dass sich der Klimawandel beschleunigt, weil unsere Emissionen immer sauberer werden?
Ja. Beim Wirtschaftswunder, vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er Jahre wurde immer mehr Öl und Kohle verbrannt, dabei stieg die CO2-Konzentration, aber auch die Luftverschmutzung. Diese hat eine kühlende Wirkung, deswegen gab es auch bis in die 1970er-Jahre kaum eine Klimaerwärmung, die Effekte haben sich quasi aufgehoben. Als die Verschmutzung durch die Schwefelaerosole wegen der gesundheitlichen Auswirkungen und dem sauren Regen reduziert wurde, hat der Klimawandel an Fahrt aufgenommen.
Die World Meteorological Organization drängt Regierungen, sich wegen El Niño anzupassen an Dürren und Starkregen – auch bei uns?
Nicht wegen El Niño. Dennoch schreitet der Klimawandel voran, es schaut nicht danach aus, dass wir die Pariser Klimaziele einhalten können. Wir sind auf einem Pfad von 3 °C Erwärmung, jetzt stehen wir bei 1,5 °C. Deshalb müssen wir uns anpassen, weil es mehr Hitzewellen und mehr Starkniederschläge geben wird, aber auch stärkere Dürren.
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