Eine Brustschleife aus der Dresdner Schatzkammer

© via REUTERS/Polizeidirektion Dresden

Chronik Welt
11/26/2019

Dresdner Diamantendiebstahl mit Parallelen zum Berliner Goldraub

Steckt ein arabischer Clan aus Berlin hinter dem Einbruch in das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe in Dresden?

von Susanne Bobek

Ähnliche Tatmuster führten zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Dresdner und Berliner Ermittlern, die davon ausgehen, dass der Diebstahl der historischen Juwelen aus dem 18. Jahrhundert „eine zielgerichtete und vorbereitete Tat“ war. Wie der Golddiebstahl im Frühjahr 2017 aus dem Berliner Bode-Museum. Dort konnten die Diebe eine 100 Kilo schwere Goldmünze, „Big Maple Leaf“ mit dem Konterfei von Queen Elizabeth II., unbemerkt abtransportieren und dann in kleine Stücke portioniert einschmelzen und verkaufen. Vier Tatverdächtige stehen deshalb seit Jänner vor Gericht, drei von ihnen sind Mitglieder des Berliner Remmo-Clans.

In der am Montag aufgebrochenen Vitrine im Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes in Dresden lagen etwa 100 Schmuckstücke, doch die Täter konnten nicht alle mitnehmen, da jedes Stück mit dem Untergrund vernäht war. Dafür hätten die auffällig kleinen Männer mehr Zeit gebraucht.

Ihr Coup war perfekt geplant. Zuerst zündeten sie einen Stromverteilerkasten an, damit fielen alle Laternen ums Residenzschloss aus. Nur die Videokamera im Juwelenzimmer zeigt die Männer undeutlich.

Ungeübte Einbrecher wären bereits am vergitterten Fenster des schwer gesicherten Museums gescheitert. Als die Polizei am Tatort eintraf, waren die Juwelendiebe bereits mit ihrer Beute in einem nicht angemeldeten Audi geflüchtet. In einer Tiefgarage wechselten sie das Auto und zündeten den Audi an, um keine DNA-Spuren zu hinterlassen.

Das Erbe Sachsens

Die Fahnder gehen davon aus, dass die Juwelendiebe bereits Abnehmer für ihre Beute haben oder genau wissen, was sie damit tun werden. Die Stücke haben unschätzbaren Wert, aber keinen Marktwert, sagt Marion Ackermann, die Generaldirektorin der staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Ihre große Angst ist, dass die Brillanten herausgebrochen und einzeln verkauft werden. Ackermann nennt das „eine schreckliche Vorstellung“, weil dann das Erbe von August dem Starken (1670-1733) dezimiert wäre. Der Kurfürst von Sachsen und spätere König von Polen und Litauen eiferte in seiner Prunksucht dem französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. nach.

„Anders als bei einem Brand könnten die verlorenen Objekte wiederkommen“, gibt sich der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram, leicht optimistisch „nach der Katastrophe“.

Das Juwelenzimmer galt als so sicher wie ein begehbarer Tresor. Als die Täter um 4.59 Uhr den Raum betraten, rief das Wachpersonal die Polizei. Marion Ackermann sprach von einem „sehr komplexen“ Sicherheitssystem im Residenzschloss. „Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine, und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden.“ Das Sicherheitskonzept werde dennoch erneut überprüft.

Bis Dienstag sind bereits 91 Fahndungshinweise eingelangt. Doch der Schatz ist vorerst einmal weg.

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