Kaiser Akihito (85) und Kaiserin Michiko (84)

© EPA/KIMIMASA MAYAMA/POOL

Chronik Welt
04/30/2019

Die Welt der kaiserlichen Frauen in Japan

Der Tenno dankt in Tokio heute ab. Mit Naruhito kommt auch die Diplomatin Masako auf den Chrysanthementhron.

von Susanne Bobek

Mehr als sechs Jahre wehrte sich die aus einer Samurai-Familie stammende Diplomatin Masako Owada gegen die Heirat mit dem Kronprinzen Naruhito 1993. Morgen wird die 55-J√§hrige Kaiserin von Japan. Und ihre Schwiegermutter, die ebenfalls b√ľrgerlich und als Katholikin aufgewachsene Michiko (84) darf sich endlich zur√ľckziehen.

F√ľr moderne, westlich erzogene Frauen wie Michiko, Masako und ihre Schw√§gerin Kiko muss das Leben am kaiserlichen Hof in Tokio wie K√§fighaltung sein. Tradition bestimmt ihr Leben.

Michiko musste sich von ihrer Schwiegermutter, der damaligen Kaiserin Nagako, jahrelang sagen lassen, dass sie die falsche Frau f√ľr ihren Sohn, Akihito sei. Sie hatte englische Literatur studiert und sie hatte es gewagt, dass sich der k√ľnftige Tenno beim Tennisspielen in sie verlieben konnte und nicht in irgendeine entfernte Cousine.

Hof der Depressionen

Michiko litt in den 1960er-Jahren unter schweren Depressionen, so wie später ihre Schwiegertochter Masako, die jahrelang nicht schwanger werden konnte und erst 2001 Tochter Aiko bekam. 2006 brachte ihre Schwägerin Kiko, heute 52, den lang ersehnten männlichen Thronerben, den heute zwölfjährigen Hisahito, auf die Welt.

Er kommt jetzt in der Rangordnung nach seinem Onkel Naruhito und seinem Vater Akishino. Die Professorentochter Kiko hat √ľbrigens die Volksschule in Wien besucht. Ihre 27-j√§hrige Tochter Mako hat schwersten Liebeskummer. Ihre Verlobung wurde 2017 verk√ľndet, doch im Februar 2018 wurde die Hochzeit auf unbestimmte Zeit verschoben. Denn die Mutter des Br√§utigams hat 34.000 Euro Schulden, die sie f√ľr das Studium ihres Sohnes von einem Ex-Freund borgen musste, der das Geld zur√ľck verlangt.

Schulden gehen gar nicht. Solange diese nicht bezahlt sind, ist Makos Hochzeit auf Eis gelegt. Ihr Freund Kei Komuro wurde zum Studium ins Exil nach New York verbannt. So gr√ľndlich arbeitet das Hofamt. Prinzessin Kiko sagt, dass ihre Tochter Mako seit zw√∂lf Monaten immer wieder krank geworden sei.

Mit der Abdankung von Kaiser Akihito (85) endet heute ‚ÄěHeisei‚Äú, die Zeit, in der Frieden geschaffen wurde. Mit der Thron√ľbergabe an Naruhito beginnt am 1. Mai in Japan das neue, von der Regierung ausgerufenen Zeitalter ‚ÄěReiwa‚Äú, was soviel wie sch√∂ne Harmonie hei√üt. Diese Tradition, jedem Kaiser eine eigene Zeit zu widmen, haben sich die Japaner von den Chinesen abgeschaut. Was manche w√§hrend der gro√üen Feiern irritiert, ist, dass die meisten Firmen Urlaub machen ‚Äď und zwar zehn Tage am St√ľck. F√ľr viele ist das eine Ewigkeit.

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