Juliane von der Ohe

© Philipp Schulze / dpa / picturedesk.com

Chronik Welt
06/22/2021

Deutsche Bäuerin öffnet Türen und PCs mit Chip im Handgelenk

„Wir chippen seit 30 Jahren Haustiere“. Noch nie sei ein Tier deshalb gestorben. Eine Landwirtin will mit Vorurteilen aufräumen.

Mit einem Reiskorn großen Chip im Handgelenk öffnet Juliane von der Ohe, eine Bäuerin aus dem deutschen Haarstorf bei Uelzen ihre Haustüre, mit der anderen Hand entsperrt sie ihren Computer und mit einem dritten Datenträger bezahlt sie im Supermarkt.

„Ein Landwirt liebt seine Technik und ich kenne das von meinen Haustieren. Ich habe noch nie erlebt, dass eins gestorben ist, deshalb habe ich überhaupt keine Berührungsängste“, sagt von der Ohe. Auf einem Parteitag hat die 60-jährige CDU-Frau auch schon Angela Merkel ihre technischen Errungenschaften gezeigt. Ob die deutsche Kanzlerin sich selbst chippen lassen würde, ist nicht bekannt.

Juliane von der Ohe macht derzeit gemeinsame Sache mit einem Start-up. „Wir chippen seit 30 Jahren Haustiere“, sagt Patrick Kramer. Es gebe kein technisches Produkt, mit dem man mehr Erfahrungen im menschlichen Körper habe. Kramer und seine Hamburger Firma Digiwell gelten als Vorreiter der Branche in Deutschland und haben die Implantate bei von der Ohe unter die Haut gespritzt. Er erzählt von Exemplaren für Menschen mit Handicap, wie einem ohne Arme geborenen Mädchen, das nun mit der neuen Hilfe im Fuß Schlösser öffnen kann. Oder auch dem Epileptiker, der seine Krankenakte für den Notfall gespeichert hat. „Das kann Leben retten“, sagt Kramer und versichert, die Daten seien sicher. Um sie abzuscannen, brauche man Hautkontakt.

Wie Herzschrittmacher

Biohacking ist das Thema der Doktorarbeit von Kulturwissenschaftlerin Laura Hille an der Leuphana Universität in Lüneburg. Sie befasst sich mit der Verschmelzung von Mensch und Maschine und versteht viele Vorbehalte nicht. „Warum sind bestimmte Technologien wie Herzschrittmacher oder Kupferspiralen zur Verhütung anerkannt und die Ängste vor den Chips so groß?“, fragt die 34-Jährige. „RFID-Chips gibt es seit Jahrzehnten auf Paketen, Containern und in Etiketten von Kleidung zur Nachverfolgung.

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