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Chronik Welt
12/08/2019

Der Santa Claus auf dem Kamel

"Ich bin der einzig aktive Weihnachtsmann des Nahen Ostens“, sagt der 41-Jährige.

von Susanne Bobek

„Ich bin der einzige aktive Weihnachtsmann in Jerusalem und der einzige professionelle Weihnachtsmann im Nahen Osten.“ Issa Kassissieh kann das sehr selbstbewusst sagen, denn jedes Jahr begrüßt der Palästinenser Tausende Besucher in seinem Weihnachtsmannhaus in der Jerusalemer Altstadt.

Vor zwei Jahren hat der 41-jährige ehemalige Profi-Basketballspieler, der heute als Trainer arbeitet, das 700 Jahre alte Haus seiner Familie umdekoriert. Dann flog er in die USA und besuchte seinen ersten Weihnachtsmannkurs. Mehrere Diplome und Zertifikate von Weihnachtsmannschulen in den USA und dem Weihnachtsmann-Weltkongress in Kopenhagen hängen an den Wänden und zeigen, dass Issa Kassissieh seinen Beruf wirklich ernst nimmt.

An der Tür gibt es zwei Briefkästen, in denen Kinder ihre Wünsche ans Christkind deponieren können. Zu Hause repräsentiert der Weihnachtsmann auf einem goldenen Thron, wenn er in der Stadt unterwegs ist, nimmt er sein Kamel.

„Geh’ nach Bethlehem!“

Issa Kassissieh sagt, dass er manchmal unfreundliche Kommentare zu hören bekommt. Etwa: „Was machst du hier, geh nach Bethlehem.“ Er würde die Menschen dann einfach anlächeln und ihnen „Frohe Weihnachten“ wünschen. „Wir sind alle menschliche Wesen und haben einen Gott“, sagt er. „Und ich mache das für Liebe und Freude und Frieden im Heiligen Land.“

Der 1,86 Meter große Mann hat sich einen Kindheitswunsch erfüllt. „Ich wollte, dass der Weihnachtsmann wirklich zu mir spricht und mich fragt, was ich zu Weihnachten will.“ Heute ginge es ihm aber weniger um die Geschenke. Vielmehr erzählt er in „Santa’s House“ von Jesus Christus und seiner Geburt in Bethlehem, das südlich von Jerusalem im Westjordanland liegt.

In Jerusalem wird Weihnachtsdeko nicht besonders gemocht. 2016 hatte das Jerusalemer Rabbinat Hotels aufgefordert, keine Weihnachtsbäume aufzustellen – aus Rücksicht auf religiöse Juden. Issa Kassissieh findet das falsch. „Zu mir kommen alle, Muslime, Juden und Christen.“