Chronik | Welt
20.08.2018

Das neue Atlantis: Jakarta droht bis 2050 zu versinken

In 32 Jahren könnten Teile der indonesischen Hauptstadt bereits zu 95 Prozent unter Wasser sein.

Ganz Asien schaut nun zwei Wochen lang auf die indonesische Hauptstadt Jakarta, wo sich bei den am Samstag eröffneten Asienspielen rund 16.000 Athleten messen.

Doch während alle im Sportfieber sind, hat die 10-Millionen-Stadt mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Umgeben vom Meer, durchzogen von 13 Flüssen und immer wieder fest im Griff von den Monsun-Regenfällen: Jakarta ist eine Stadt, die mit dem Wasser lebt.

Wenn die Entwicklung so weitergeht, müssen die Einwohner der indonesischen Hauptstadt aber bald im Wasser leben. Bis 2050 könnten 95 Prozent von Nord-Jakarta untergegangen sein, wie Experten des Bandung Institute of Technology befürchten.

"Hier zu leben, ist ein Risiko"

Die ganze Stadt sinkt einen bis fünfzehn Zentimeter im Jahr, Venedig „nur“ einen bis zwei Millimeter.

Vor allem im Norden sind die Auswirkungen bereits deutlich zu spüren. Im Erdgeschoß vieler Gebäude sammelt sich das Wasser.

BBC Indonesien hat einige Einwohner besucht, Risse in den Wänden und überflutete Böden gehören zum Alltag. „Wir mussten alle Möbel in den ersten Stock tragen“, erzählt Fortuna Sophia: „Hier zu leben ist ein Risiko.“

Illegale Wasserpumpen

Die Stadt sinkt und die Spiegel von Meer und Flüssen werden gleichzeitig höher. Dafür gibt es drei Hauptgründe: die Entnahme von Grundwasser, schlechte Städteplanung und den Klimawandel.

Eines der größten Probleme ist das Abpumpen von Grundwasser in großem Stil. Obwohl Jakarta von Wasser umgeben ist, kann die offizielle Hand nur 40 Prozent des Bedarfs abdecken.

Also bedienen sich die Menschen selbst am Grundwasser. Im Mai untersuchte die Stadt 80 Gebäude im Zentrum. 56 davon besaßen Grundwasserpumpen – 33 entnahmen illegal Wasser. Beim Abpumpen sinkt das Land über dem unterirdischen Wasserspeicher ab.

Mangelnde Städteplanung

Dieses Phänomen geht Hand in Hand mit mangelnder Städteplanung. Die illegale Entnahme von Wasser ist ein Resultat fehlender Infrastruktur. Doch anstatt daran zu arbeiten, werden neue Luxusappartements gebaut. Siedlungen entstehen ungeplant und da die Stadt auf sumpfigem Gebiet liegt, hat das verheerende Folgen.

Zu den lokalen Problemen kommt noch der Klimawandel. Alle Küstenstädte sind von dem steigenden Meeresspiegel betroffen.

Um das Problem zu lösen kommt Jakarta nicht umhin, die Entnahme von Grundwasser massiv einzuschränken, ist sich das Bandung Institute of Technology sicher. Die ersten Schritte in diese Richtung werden bereits gesetzt.

Ein anderer Ansatz ist eine 32 Kilometer lange Staumauer um 40 Milliarden Dollar. Unabhängige Studien bezweifeln aber, dass das eine langfristige Lösung sei.

- Maria Prchal