Trügerische Idylle auf Karpathos

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Chronik Welt
05/06/2020

Corona-Krise: Griechischen Hoteliers fehlt Geld zum Aufsperren

Ab 1. Juli soll der Tourismus langsam hochgefahren werden, mangels Buchungen können sich Hoteliers kein Personal leisten.

von Susanne Bobek

„Im besten Fall kann Griechenland seine Tourismusaktivitäten ab dem 1. Juli aufnehmen, und wir arbeiten daran, dieses Ziel zu erreichen“, sagte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Montag in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN.

„Doch die Saison scheint gelaufen. Denn da es keine Buchungen gibt, werden viele Hotels nicht aufsperren können“, sagt der Oberösterreicher Hartwig Maier, der seit 20 Jahren in Patras die Firma Fructodrink El Greco betreibt und seine Sirups vor allem an die Hotellerie verkauft. „80 Prozent meiner Kunden können nicht aufsperren, da sie sich die Angestellten nicht leisten können.“

Maiers Firma ist geschlossen, seine Angestellten bekommen 800 Euro Unterstützung vom Staat. Maiers Freundin, eine Notarin in Athen, die seit Monaten keinen Vertrag mehr aufgesetzt hat, bekam 600 Euro an einmaliger Unterstützung. Maier selbst bekam nichts, obwohl seine Außenstände hoch sind.

Doch die unterschiedlichen Stützungsprogramme laufen am 15. Mai aus, was danach kommt, ist noch nicht klar. Aber die Griechen seien Probleme gewohnt. Seit der Finanzkrise 2008 ist Sparen angesagt. Einer von Maiers Angestellten ging mit 1.200 Euro in Pension, jetzt bekommt er monatlich nur noch 680 Euro.

Der größte Reiseveranstalter TUI glaubt, dass die Länder Südeuropas heuer massiv geschwächt werden. Nach einem Rekordjahr 2019 mit 34 Millionen Urlaubern in Griechenland wird derzeit von einem Minus um ein Drittel ausgegangen. Jedes dritte Hotel für Pauschaltouristen könnte geschlossen bleiben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Einbußen im Tourismussektor immens sein werden. Die Branche trägt zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der IWF geht von einem Einbruch des Gesamt-BIP um zehn Prozent für das Jahr 2020 aus. Die Arbeitslosenrate könnte nach Regierungsangaben auf 20 Prozent steigen.

Die OECD ist sogar noch pessimistischer und bemisst den Einfluss der Krise auf bis zu 35 Prozent Verlust beim BIP. Es wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote von 16 Prozent im Jänner auf 26 Prozent steigen könnte.

Wenig Infektionen

Und dennoch ist Griechenland bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Offiziell wurden nur 2.632 Infektions- und 146 Todesfälle gemeldet. Der Sirup-Produzent Hartwig Maier führt das auf die unglaubliche Disziplin der Bevölkerung zurück. Die Ausgangssperren, die erst seit Montag aufgehoben sind, waren rigoros.

Wer in den Supermarkt gehen wollte, musste eine SMS an die Nummer 13033 schicken mit 1 für Apotheke oder Arzt, 2 für Supermarkt, 3 für Bank, 4 um jemanden zu helfen und so weiter. Wenn dann eine Bestätigung zurückkam, durfte man mit dem Handy (als Beweis für die Erlaubnis) und einem Ausweis ausgehen.

„Alle haben sich daran gehalten. Die Griechen gehen sehr, sehr rücksichtsvoll miteinander um. Das ist wirklich beeindruckend“, sagt Hartwig Maier.

Der einzige Vorteil, den Ökonomen sehen: Griechenland hat einen riesigen Sprung in Richtung Digitalisierung hinbekommen.

Griechenland war fast ununterbrochen im Krisenmodus. Die Gesellschaft war also besser auf einen Alarmzustand vorbereitet“, sagt der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler George Pagoulatos, Leiter einer Stiftung für Europa- und Außenpolitik (ELIAMEP). Der 52-jährige Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis von der Nea Dimokratia, der konservativen Partei, „reagierte sehr kompetent, hörte auf die richtigen Leute und traf die richtigen Entscheidungen.“

Auch der Unternehmer Hartwig Maier bleibt optimistisch: „Was uns niemand wegnehmen kann, sind die Sonne und das Meer. Und das heilt alle Wunden.“

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