Der Christchurch-Attentäter besuchte unter anderem den Wiener Heldenplatz.

© Screenshot Facebook (via archive.ph)

Chronik | Welt
03/19/2019

Christchurch-Attentäter war offenbar auch in Österreich

Besonders interessierten den rechtsextremen Terroristen auf seinen Europa-Reisen wohl historische Waffen und Schlachtfelder.

Der rechtsextreme Attentäter von Christchurch soll vor einigen Monaten auch zweimal Österreich besucht haben. Auf seinem mittlerweile gelöschten Facebook-Profil finden sich laut einem Bericht des deutschen Online-Portals t-online Fotos von Wien, Kärnten, Salzburg und Innsbruck. Aus dem Innenministerium hieß es laut Standard dazu, es gebe "keinen Hinweis, dass der mutmaßliche Attentäter in Österreich gewesen ist".

Das Innenministerium prüfe aber, ob es Verbindungen des mutmaßlichen Attentäters Brenton Tarrant nach Österreich gibt, hieß es am Montag. Das deutsche Online-Portal recherchierte in Online-Archiven. Der Facebook-Account, von dem Tarrant auch die Live-Übertragung seines Terroranschlags auf zwei Moscheen in Christchurch in Neuseeland gestartet hatte, ist mittlerweile gelöscht, genauso wie sein Instagram-Profil.

Aufenthalte in Türkei und Bulgarien

Brenton T. selbst ist auf den geposteten Fotos nicht zu sehen, weshalb es keine Bestätigung gibt, dass Tarrant die Fotos selbst gemacht hat. Allerdings haben bereits mehrere Länder bestätigt, Ziel von Tarrants Reisen gewesen zu sein, darunter die Türkei, Israel und Bulgarien. Laut dem Medienbericht folgte der australische Staatsbürger auf seiner Reise durch Europa "den Spuren der Kreuzritter" und bereiste Schauplätze mittelalterlicher Kriegsherren der Türkenkriege. Im Herbst 2018 bereiste er Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Fotos aus Wappensaal

Die Fotos deuten daraufhin, dass er im selben Zeitraum auch zweimal in Österreich war. In Wien könnte er demnach das Heeresgeschichtliche Museum und die Nationalbibliothek besucht haben. Auf Facebook postete er außerdem Fotos von Friesach in Kärnten und dem Wappensaal des Landeshauses Klagenfurt, dem Christkindlmarkt in Salzburg, aus Steyr und Innsbruck. Auch die Krimmler Wasserfälle, die höchsten Wasserfälle Österreichs, im Nationalpark Hohe Tauern besuchte Tarrant offenbar. Laut den Fotos machte der Rechtsextremist auch einen Abstecher nach Deutschland: Einige Fotos zeigen das Schloss Neuschwanstein in Bayern.

Mutmaßliche Faszination für Türkenbelagerung

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 hatte Tarrant auch Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien bereist. Er besuchte laut Medienberichten historische Schlachtstätten, wo Gefechte gegen Muslime stattgefunden hatten.

Seine Waffen und Magazine hatte der mutmaßliche Haupttäter des Terroranschlags vergangene Woche in Neuseeland mit Namen und Schriftzügen versehen. Darunter fand sich auch der Name von Ernst Rüdiger von Starhemberg. Dieser leitete die Verteidigung der Stadt Wien während der Zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683.