Kimono und Brille - das verträgt sich aus Männersicht nicht

© APA/AFP/CHRISTOPHE SIMON

Chronik Welt
12/02/2019

Brillenverbot: Japanerinnen proben Aufstand

Immer mehr Japanerinnen stemmen sich gegen frauenfeindliche Bekleidungsvorschriften. Die Regierung soll handeln.

von Ulrike Botzenhart

Was Männern erlaubt ist, gilt für Frauen auch im Jahr 2019 nicht. Japanerinnen ist es in etlichen Branchen etwa verboten, eine Brille zu tragen. Doch der Unmut darüber wächst, die Diskussion nimmt an Fahrt auf. 

Eine Gruppe von Aktivistinnen wollen nun in einer Petition die Regierung auffordern, frauenfeindliche Vorschriften zu Kleidung und Aussehen von Mitarbeiterinnen in ein geplantes Gesetz gegen Belästigung am Arbeitsplatz aufzunehmen. Das berichtete die japanische Tageszeitung Tokyo Shimbun am Montag.

Weg mit der Brille

"Nimm doch die Brille runter", das sei die häufigste Bemerkung, die wie an ihrem Arbeitsplatz höre, twitterte eine Kellnerin vor einigen Wochen. Die Brille passe angeblich nicht zu ihrem Kimono, den sie als "Arbeitskleidung" in den Restaurants tragen müsse, ärgerte sich die Frau.

Brillenträgerinnen "wirken kalt"

Sie ist nicht allein mit ihrem Ärger. Empfangsdamen in Unternehmen ist das Tragen einer Brille ebenso untersagt wie Verkäuferinnen in den meisten Geschäften. Mit Brille wirkten sie "kalt", wird argumentiert. Fluglinien schieben angebliche Sicherheitsgründe als Vorwand vor.

Mittlerweile gibt es einen eigenen hashtag ("Brillen verboten"), über den Japanerinnen ihren Unmut kundtun. Vorbild dafür ist die seit Juni laufende Aktion gegen das verpflichende Tragen von hochhackigen Schuhen für Frauen am Arbeitsplatz. Sie trägt den Titel #KuToo: ein Wortspiel mit den japanischen Wörtern kutsu (Schuhe) und kutsuu (Schmerz)  - und in Anlehnung an die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung. 

Hinter der geplanten Petition an die Regierung gegen das Brillenverbot steht die Schauspielerin und Autorin Yumi Ishikawa. Sie war im Juni auch federführend bei der Petition gegen eine Stöckelschuhe-Pflicht im Job. Der zuständige Arbeits- und Gesundheitsminister Takumi Nemoto (68) verstand die Welt nicht mehr: An manchen Arbeitsplätzen seien sie "notwendig und angemessen", sagte Nemoto vor einem Parlamentsausschuss.

In Japan gibt es eigene Kurse, bei denen Frauen trainieren, mit hochhackigen Schuhen so elegant zu gehen, wie sich die Geschäftswelt das vorstellt.

 

 

 

 

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