Chronik | Welt
04/15/2019

Ausfall bei Facebook, WhatsApp & Co: Nächstes Blackout kommt bestimmt

Störungen sind bei den Plattformen nichts Ungewöhnliches. Technische Zusammenführung der Dienste könnte Ursache für Ausfälle sein.

Für viele, nicht nur junge Menschen, stand am Sonntagnachmittag die Welt für mehr als zwei Stunden still, Verzweiflung in weiten Teilen der Welt machte sich breit. Von etwa 12:30 bis 15 Uhr (MESZ) ging nichts mehr - kein WhatsApp, Facebook oder Instagram. Weltweit nutzen 2,7 Milliarden Menschen die Social-Media Plattformen, zwei Milliarden davon täglich. Die drei Dienste gehören alle zum Mark Zuckerberg-Imperium.

Vom Totalausfall betroffen waren vor allem Europa, Südostasien und der Nordosten der USA. Mittlerweile bestätigte Facebook in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters den Vorfall und entschuldigte sich bei den Nutzern für die Unannehmlichkeiten. Eine Ursache für den Grund der Störung nennt das Unternehmen jedoch nicht. Auf Facebook direkt gab es bisher keine Stellungnahme zum Ausfall.

User auf der ganzen Welt meldeten am Sonntag Störungen. Die Seite Downdetector.com verzeichnete mehr als 12.000 Störungen bei Facebook, mehr als 3.000 bei WhatsApp und mehr als 7.000 bei Instagram. Allein in Österreich meldeten am frühen Nachmittag tausende Nutzer auf der Internetseite allestörungen.at Probleme bei der Erreichbarkeit der sozialen Netzwerke.

Ausfälle sind nichts Neues

Es war nicht der erste Totalausfall der Facebook-Plattformen, aber der erste größere in Österreich und weiten Teilen Europas. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Ausfälle der Social Media Dienste, die Störung am Sonntag war im Vergleich dazu nur gering.

Bereits Mitte März waren die drei Social-Media-Dienste für einige Nutzer fast 24 Stunden offline. Der Vorfall im März dürfte einer der größten Ausfälle des Netzwerkes gewesen sein.

Bisherige Ausfälle

  • April 2019: Facebook, Instagram und WhatsApp standen zwei Stunden still.
  • März 2019: Die drei Dienste waren fast 24 Stunden offline.
  • August 2017: Facebook war wegen "Wartungsarbeiten" ausgefallen.
  • Mai 2017: Im Mai war WhatsApp zwei Mal down.
  • September 2015: Facebook fiel in diesem Monat gleich drei Mal in weniger als zwei Wochen aus.
  • September 2014: Facebook war für 20 Minuten offline.
  • August 2014: Facebook war für kurze Zeit down.
  • Februar 2014: WhatsApp war stundenlang ausgefallen.
  • Oktober 2013: Nutzer konnten keine Meldungen auf Facebook posten.
  • September 2010: Facebook stand stundenlang still.

Technische Verschmelzung als mögliche Ursache

Facebook  betont zwar stets die Unabhängigkeit seiner drei Dienste, arbeitet jedoch an einer engen technischen Verschränkung. Erst kürzlich sickerte durch, dass Facebook-Messenger, WhatsApp und Instagram auf einer gemeinsamen technischen Basis laufen sollen. Ein gemeinsamer "Super-Messenger" könnte plattformübergreifende Kommunikation erleichtern und noch mehr Werbeeinnahmen lukrieren, so Beobachter.

Kritiker meinen, dadurch würde Facebook die Stellung als Social-Media-Monopolist festigen. Facebook selbst argumentiert mit mehr Sicherheit, etwa durch eine neue Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Instagram. Die aktuellen technischen Probleme könnten mit den einhergehenden Umstellungen zusammenhängen.

Gewonnene Zeit oder verlorenes Geld?

Für die meisten User war der Ausfall von Instagram und Co. einfach nur nervig und eine unfreiwillige Social Media Pause. Für andere bedeutete der Ausfall aber ein richtiger Arbeitsstopp und finanzielle Verluste. Influencer die davon leben, ihren Content auf Instagram zu teilen, konnten 2,5 Stunden nichts posten. Aber auch Unternehmen die in dieser Zeit bezahlte Werbung auf Facebook schalteten, mussten mit Einbußen rechnen.

Auch für Facebook bedeutet ein Ausfall, neben verärgerten Nutzern, ein entgangenes Geschäft. Der Konzern finanziert sich vor allem durch Werbung, die den Usern angezeigt wird. Also ist Zeit buchstäblich Geld: Im dritten Quartal 2018 steigerte Facebook den Umsatz im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar (14,8 Milliarden Euro).

Schon bei früheren Ausfällen profitierte die Konkurrenz, vor allem Twitter, von den technischen Problemen. Auch am Sonntag teilten viele User in kürzester Zeit ihre Verzweiflung auf Twitter – der einzigen Social-Media Plattform die noch funktionierte – unter dem Hashtag #facebookdown mit. Das Ausmaß der Unruhe über den Ausfall der Sozialen Netzwerke macht wieder einmal deutlich, welchen Stellenwert Instagram und Co mittlerweile im Leben vieler Menschen haben.

Auch unser Satire-Portal KURIER mit Schlag hat sich mit dem Ausfall beschäftigt und sich gefragt, was User in der gewonnen Zeit alles erledigen hätten können:

SMS im Sinkflug, mobile Datennutzung schnellt in die Höhe

Da die Online-Dienste alle nicht zu erreichen waren, griffen viele Menschen auf die gute alte SMS (Short Message Service) zurück, um ihren Lieben mitzuteilen, dass die gewohnten Kommunikationsmittel down sind. Etwas, das man sonst nicht mehr häufig macht. Oder wann haben Sie zum letzten Mal eine SMS verschickt?

Auch Österreicher verschicken immer weniger SMS. Im Jahr 2017 wurden laut dem Forum Mobilkommunikation (FKM) 2,43 Milliarden SMS in Österreich verschickt, um rund ein Fünftel weniger als noch im Jahr davor. Gegenüber dem Jahr 2012 – als der SMS-Versand auf einem Höchststand in Österreich war – mit 8,4 Milliarden SMS ist das ein Rückgang von knapp 70 Prozent.

WhatsApp und FB-Messenger ersetzten SMS

Im Gegensatz zum SMS-Versand schnellte das mobile Datenvolumen in Österreich im Jahr 2017 laut FMK um rund 60 Prozent auf über eine Milliarde GB in die Höhe. Online-Messenger Dienste wie WhatsApp oder Facebook-Messenger haben die SMS quasi ersetzt. Im Jahr 2017 seien laut FMK schätzungsweise rund 100 Milliarden Kurznachrichten via Online-Messenger-Dienste versendet worden.

Facebook ist mit dem Messenger, Instagram und WhatsApp im Messenger-Bereich ein Quasi weltweiter Monopolist. Dahinter folgen WeChat – die chinesische Variante von WhatsApp – und Twitter. Weitere Alternativen zu WhatsApp sind Telegram und Signal.