Rekord-Vergnügungspark mit 250-km/h-Achterbahn eröffnet
Six Flags Qiddiya in Saudi-Arabien
Am 31. Dezember eröffnete die momentan spektakulärste Achterbahn der Welt: Knapp 200 Meter hoch, bis zu 250 km/h schnell und stolze vier Kilometer lang. Der "Falkenflug" im Six Flags Vergnügunspark im saudischen Qiddiya ist aber nur ein Highlight einer ganzen Vergnügungsstadt, die derzeit 40 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Riad entsteht.
Nach offiziellen Angaben investiert das Königreich sieben Milliarden Euro, doch Schätzungen gehen bis zum Fünffachen. Das gesamte Projekt umfasst die Errichtung von 43 Sportanlagen und 12 Freizeitparks. Ein weiteres Kernstück ist eine Formel-1-Rennstrecke, für die extra eine Kurve in der Höhe eines zwanzigstöckigen Gebäudes gebautwird.
Ein Golfplatz, ein Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft für bis zu 60.000 Zuschauer und riesige Arenen für eSport werden ebenso errichtet, wie eine ein Kilometer lange Straßenbrücke über die Wüste.
Alle Achterbahnen des Six Flags Qiddiya:
Allein der Wüsten-Wasserpark soll 22 Attraktionen beherbergen. Dazu kommt eine eigene Mercedes-AMG-World mit der Möglichkeit, verschiedene Rennwagen (auf dem Formel-1-Kurs) auszuprobieren. Angeblich soll alles klimaneutral sein, das Wasser zu 90 Prozent wieder verwertet werden.
Fragen zu alldem sind offensichtlich aber nicht erwünscht, es gibt keine Möglichkeit für Presseanfragen, von dem neuen Park gibt es noch nicht einmal ein offizielles Foto. Eingeladen wurden bisher nur Influencer, die alles in höchsten Tönen loben. Internationale Medien waren hingegen noch nicht vor Ort.
Dabei sind erste Berichte von ersten Besuchern weniger angetan - die Fahrgeschäfte werden demnach immer wieder gesperrt, Wartezeiten gehen bis zu zweieinhalb Stunden, auch weil nichts gegen das Vordrängen von Einheimischen unternommen werde. Das trübe etwas das Erlebnis. Eine weitere Spaßbremse könnten die Temperaturen sein, selbst der Durchschnittswert von Mai bis September beträgt 39 bis 43 Grad Celsius.
Dabei ist der Park voll von Rekorden. Der Falkenflug (Falcons Flight) führt spektakulär auf einen Berg, rotiert am Rand einer Klippe und hat drei künstliche Beschleunigungsabschnitte sowie einen senkrechten Fall. Spitfire besitzt die höchste Inversion einer Achterbahn weltweit und der Sirocco Tower bietet einen 145-Meter-Sturz in die Tiefe.
Der Falcons Flight mit bis zu 250 km/h:
Insgesamt möchte man 17 Millionen Besucher pro Jahr nach Qiddiya bringen, etwas mehr als im kalifornischen Disneyland und beinahe doppelt so viele wie im Pariser Eurodisney. Geplant wird seit 2019, eigentlich war die erste Eröffnung für 2023 geplant.
Doch bisher gibt es nur den sechsteiligen Vergnügungspark, der ebenfalls noch erweitert werden soll. Die Fußball-WM findet ohnehin erst 2034 statt, das erste Formel-I-Rennen auf dem vom Österreicher Alexander Wurz mitentworfenen Kurs frühestens 2028.
Der Eintrittspreis für den Six-Flags-Park ist mit 75 Euro für ein Tagesticket relativ moderat. Es soll auch den Einheimischen die Möglichkeit geben, das Areal mehrfach pro Jahr zu besuchen. Das Durchschnittsalter liegt in dem Land bei rund 30 Jahren, weshalb das Königreich versucht, die vielen jungen Menschen gut zu unterhalten (damit sie wohl auch nicht auf revolutionäre Gedanken kommen).
Das zweite große Thema in dem Wüstenstaat ist, dass man vor allem vom Erdöl-Verkauf lebt. Doch die Ressourcen werden früher oder später zu Ende gehen, auch stehen die Zeichen der Zeit gegen die Verbrennungsmotoren und Öl-Kraftwerke. Deshalb soll der Tourismus als ein neues Standbein aufgebaut werden. Und das wiederum soll das Image des Königreichs verbessern.
Kommentare