Chronik | Welt
22.11.2018

8500 kubanische Ärzte verlassen jetzt Brasilien

Kuba zieht seine Ärzte aus Protest gegen den neuen Präsidenten aus Brasilien ab. Es droht ein Versorgungsengpass.

Der künftige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat mit dem Sozialismus nichts am Hut. Und auch die indigene Bevölkerung ist ihm, wie er mehrfach betont hat, ziemlich egal. Genau dort aber, im Amazonasgebiet und in anderen medizinisch schwer unterversorgten Gegenden, waren kubanische Ärzte seit Jahren hochwillkommen. Jetzt müssen sie ihre Koffer packen und bis Mitte Dezember nach Kuba zurückkehren.

Bolsonaro hat angekündigt, das Programm „Mehr Ärzte“ (Mais Medicos), das Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei 2013 eingeführt hat, zurückzufahren. Er wolle die Gehälter der Kubaner nicht „an eine Diktatur zahlen“. In die Versorgungslücke, die entsteht, sollten die evangelikalen Pfingstkirchen treten, die zu einem Gutteil am Wahlerfolg des „brasilianischen Trumps“ beteiligt waren.

Soweit der Plan.

Die Regierung in Havanna nahm den Fehdehandschuh auf und holt Kubas Ärzte jetzt sofort heim.

367 Städte ohne Arzt

Damit droht ein Versorgungsengpass in 367 Städten, die plötzlich ohne Arzt dastehen. Das brasilianische Gesundheitsministerium rechnet damit, dass 63 Millionen Brasilianer vorübergehend nicht medizinisch versorgt werden können. Auch rund 34 Indigenengebiete sind betroffen. Die Aufregung ist groß.

Ärzte als Exportschlager

Kubas Exportschlager Nummer eins ist sein medizinisches Personal. Ärzte und Pfleger werden an 35 Staaten ausgeliehen. Kuba hat 90.000 Ärzte. In Havanna verdient ein Arzt umgerechnet 66 Dollar, in Brasilien sind es rund 3700 Euro im subventionierten Programm von „Mehr Ärzte“. Kuba kassierte davon drei Viertel. Das eine Viertel darf der Arzt im Auslandseinsatz behalten.

Damit die Ärzte im Gastland nicht auf dumme Ideen kommen, dürfen sie ihre Familien nicht mitnehmen, ihre Papiere werden einbehalten. Und dennoch gilt der Auslandseinsatz als Privileg, weil man sich ein bisschen Geld für daheim sparen kann. Ärzte sind nämlich in Kuba schlechter bezahlt als Taxifahrer. Doch der Staat nimmt durch sie nach Angaben des früheren kubanischen Wirtschaftsministers José Luis Rodrigez jedes Jahr 11,5 Milliarden Dollar (2015) ein. Zum Vergleich: Der Tourismus brachte der Karibikinsel nur 2,8 Milliarden Dollar.