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Chronik Vorrang
12/05/2011

Wo für Kinder die Gefahr im Verkehr lauert

Die kindliche Wahrnehmung ist die größte Gefahrenquelle. Ohne Training kann selbst der Schutzweg zur Falle werden.

Die Bewältigung des Schulwegs ohne elterliche Begleitung ist heute bereits für recht junge Kinder eine tägliche Notwendigkeit", sagt KURIER-Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger. Die Medizinerin, die das Personen-Komitee der KURIER-Aktion unterstützt, kann die größte Gefahrenquelle im Verkehr klar benennen: die kindliche Wahrnehmung.

"Kinder weichen in ihrer Wahrnehmung und Einschätzung von Gefahr stark von Erwachsenen ab", sagt der KURIER-Family-Coach. Wie ungeeignet die Wahrnehmungsmuster von Kindern für den modernen Verkehr sind, wird auch in wissenschaftlichen Untersuchungen offenkundig. Durch sogenannte Blickanalysen konnten Forscher zahlreiche bisher unterschätzte Gefahrenquellen benennen. Die gefährlichsten davon fasst KURIER-Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger zusammen:

Kinder wählen häufig den subjektiv kürzesten Weg und nicht den sichersten.

Kinder haben ein stereotypes Blickverhalten. Sie können nicht einschätzen, aus welcher Richtung der Verkehr tatsächlich kommt.

Die Blickanalyse zeigt, dass Kinder hauptsächlich die Augen und nicht den Kopf bewegen, wenn sie eine Straße übersetzen wollen. Dadurch ist das Sichtfeld eingeschränkt. Zusätzlich verlieren sie dadurch das räumliche Sehen, weil der Nasenrücken den Blick des zweiten Auges verdeckt.

Die kurze Fixation des kindlichen Blickes verhindert eine Detailwahrnehmung. Dadurch erkennen die Kleinen etwa nicht, ob ein Autofahrer sie ansieht und damit als Verkehrsteilnehmer erkennt.

Es existiert auch eine falsche Vorstellung von Gesehenwerden (was ich sehe, sieht mich auch) sowie der notwendige Kontrollblick.

Kinder haben ein blindes Vertrauen in Lichtsignale. Die richtige Deutung von Ampelsignalen müssen sie erst erlernen.

Kinder können die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge nicht richtig einschätzen.

Auch muss die leichte Ablenkbarkeit von Kindern durch andere Reize, etwa Gespräche mit Klassenkameraden, bedacht werden.

Rudolf Taucher kennt die Probleme der kindlichen Wahrnehmung aus der täglichen Praxis. Taucher arbeitet seit 20 Jahren als Polizist in Wien-Josefstadt und regelt dort häufig den Verkehr. "Es passiert sehr oft, dass Kinder ohne nach links und rechts zu schauen, über den Zebrastreifen laufen", sagt Taucher. Denn nicht selten täuscht der Schutzweg eine Sicherheit vor, die er tatsächlich erst durch die Aufmerksamkeit der Kinder bekommt.

Und was macht der erfahrene Polizist, wenn er ein Kind über den Zebrastreifen laufen sieht? "Ich spreche sie dann direkt an und erkläre ihnen, wie man richtig über den Schutzweg geht", sagt Taucher.

Weil aber nicht an jedem Schutzweg Polizisten oder Schülerlotsen stehen, hilft laut Leibovici-Mühlberger nur eines: "Die Eltern müssen vor ihren Kindern die Problemstellen am Schulweg bewusst benennen."

Durch reine Theorie lernen die Kids dabei noch nicht: "Man muss den Schulweg bewusst durch mehrfache Begleitung trainieren", sagt der KURIER-Family-Coach. Und weiter: "Die Benutzung von geregelten Schutzwegen und die unbedingte Einhaltung von Ampelregelungen ist dabei erforderlich."

Nie unterschätzen sollten Eltern dabei ihre Vorbildwirkung: "Wer seinem Kind predigt, nur bei Grün über die Ampel zu gehen und dann selbst bei Rot marschiert, macht jeden Lernerfolg zunichte", sagt Leibovici-Mühlberger.

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