Chronik 07.05.2018

Verkuppelt mit dem Roboterauto

© Bild: Getty Images/iStockphoto/Andrey Suslov/iStockphoto

Autonomes Fahren: Experten diskutierten, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Maschine entwickelt.

Zum Einparken, Spur-, oder Abstandhalten brauchen schon heute viele Autos eigentlich keinen Lenker mehr. Die Entwicklung der Technik ist rasant. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir alle Handys in unseren Taschen haben, die Computer ersetzen“, sagt Mathematiker und Softwareentwickler Andreas Kuhn, im Rahmen eines KURIER-Expertengesprächs zum Thema autonomes Fahren.

Eine so extrem schnelle Entwicklung wie beim Mobiltelefon, sei beim Auto aus folgenden Gründen aber nicht zu erwarten: „Früher konnten alle Autohersteller ganz einfach selber Fahrzeuge entwickeln und auf den Markt bringen. Die technischen Systeme werden jetzt aber so komplex, dass viele Organisationen beteiligt sein müssen“, erklärt Kuhn. Es gehe um Telekommunikation, um Infrastruktur und gesetzliche Regelungen. „Es könnte zwar jetzt ein Hersteller versuchen, als einziger autonome Fahrzeuge zu verkaufen, das wird er aber schon allein wirtschaftlich nicht schaffen“, erklärt Kuhn.

Gerade in Sachen Recht sind rund um das Thema viele Fragen offen. Gerhard Kronreif ist Unfallgutachter und Sachverständiger bei Gericht. In seiner Position ist er damit beschäftigt, zu prüfen, ob der Mensch oder das Fahrzeug einen Fehler gemacht hat. Im Moment ist die Lage noch eindeutig: „Derzeit ist immer der Lenker für einen Unfall verantwortlich, weil das in den Betriebshandbüchern einfach so vermerkt ist. Wenn der Lenker mit Assistenzsystem fährt, wird er bei Gefahren nur gewarnt – richtig reagieren muss er selbst.“ Durch neue Software komme aber eine mögliche Haftung der Hersteller hinzu. „Versicherungen und Staatsanwaltschaft kommen nun auf die Idee, auch sie in Ermittlungsverfahren zu involvieren. Es gab schon solche Fälle .“

Risikofaktor Mensch

Würden alle Autos autonom fahren, würde das die Unfallhäufigkeit einschränken, sind sich die Experten sicher. Da aber nicht der gesamte Verkehr von einem Tag auf den anderen autonom unterwegs sein wird, ist vor allem der Mensch ein Risikofaktor: „Wir können nicht einschätzen, wie sich die Verkehrsteilnehmer den Roboterautos gegenüber verhalten werden“, sagt Softwareentwickler Kuhn. Das Miteinander muss aber nicht unbedingt unfreundlich sein, wie der Experte berichten kann: „Ich kenne ein gutes Beispiel. Wir haben in einer Fabrik einen Roboter angeschafft, der Teile von einer Station zur anderen bringen sollte. Es gab große Bedenken, dass die Belegschaft den Roboter sabotieren wird, weil er Arbeitsplätze wegnimmt. Daher haben wir ihn abgesichert und viele Studien gemacht, um das zu verhindern. Im Endeffekt haben die Arbeiter den Roboter aber in ihre soziale Gruppe aufgenommen und ihm sogar Namen gegeben. Man sieht daran, dass vieles denkbar ist, was das Miteinander auf der Straße angeht.“

Für den Verkehrsexperten Ernst Pfleger ist vor allem die Unfallforschung auf dem Gebiet zurzeit noch unzureichend, um autonomes Fahren schon in wenigen Jahren möglich zu machen: „Was den Übergang von Fahrassistenzsystemen zum autonomen Fahren so schwer macht, ist, dass noch nicht alle möglichen Unfallszenarien lückenlos durchdacht und analysiert sind.“ Österreich sei auf diesem Gebiet aber ein Vorreiter, wie der Universitätsprofessor ergänzt: „Es ist beachtlich wie viel Geld das Ministerium in Verkehrssicherheit investiert. In Österreich ist bereits viel Wissen aus der Forschung in den Bau von Straßen und in Verkehrskonzepte eingeflossen. Know-how ist da, es muss jetzt aber interdisziplinär aufgearbeitet werden.“

( Redaktion ) Erstellt am 07.05.2018