Schützen-Streit: Debatte um Tirols Landesempfänge
Beim "landesüblichen Empfang" mit den Tiroler Schützen bleibt alles wie gehabt
Zusammenfassung
- Beim landesüblichen Empfang in Tirol dürfen weiterhin nur Männer als Schützen mit Gewehren auftreten.
- Die Tiroler Grünen fordern Gleichstellung und ein neues Format, das Frauen bei offiziellen Empfängen sichtbar macht, finden aber keine Mehrheit im Landtag.
- ÖVP und SPÖ betonen die Tradition des militärischen Zeremoniells und lehnen eine Änderung ab.
Wenn in Tirol Landeshauptleute anderer Bundesländer oder gar der Bundespräsident empfangen werden, dann darf eines nicht fehlen: der landesübliche Empfang. So weit, so üblich.
Nur Männer dürfen schießen
Durchaus einzigartig ist jedoch die Begleitmusik der Tiroler Landesempfangsvariante, im Westen marschieren die Tiroler Schützen auf und feuern Gewehrsalven ab. Die Tradition reicht im Grunde bis in das 16. Jahrhundert zurück, damals wie heute dürfen bloß Männer den Abzug ziehen.
Frauen, so ergab eine Abstimmung in den Kompanien, dürfen weiterhin nicht als Schützinnen ans Gewehr. Ihre Rolle bleibt auf das Ausschenken von Getränken reduziert.
Nun "steht es Vereinen grundsätzlich offen, wie sie sich organisieren", kommentieren die Tiroler Grünen. Aber - und das ist für die Partei der Knackpunkt - sobald die Schützen das Land Tirol "offiziell repräsentieren, ist diese Entscheidung nicht mehr rein privat, sondern hat öffentlichen und politischen Charakter".
Neues Format für Tradition und Moderne
Sie brachten daher im Landtag einen Dringlichkeitsantrag ein, um bei den "landesüblichen Empfängen Gleichstellung sicherzustellen": Gemeinsam mit den Schützen soll ein "neues Format" entwickelt werden, das Tradition mit Moderne verbindet" - und eben Frauen gleich sichtbar macht wie Männer.
"Der landesübliche Empfang vermittelt ein Bild sowohl von Tirol als auch der Tiroler Bevölkerung nach außen", begründen die Grünen. "Wenn dabei Frauen sichtbar ausgeschlossen sind, wird eine gesellschaftliche Botschaft transportiert, die nicht mit den verfassungsrechtlichen Grundsätzen von Gleichstellung und Gleichwertigkeit vereinbar ist."
Keine Mehrheit
Die Tiroler Grünen verweisen dabei auch auf Salzburg, wo Frauen bei Schützenkompanien seit mehr als einem Jahr offiziell als Gewehrträgerinnen auftreten dürfen, inoffiziell mit Zustimmung des Landesschützenkommandanten schon seit mehr als 40 Jahren.
Am Mittwoch und Donnerstag wird der Antrag im Tiroler Landtag behandelt, doch schon am Dienstag ist klar: Mehrheit bekommt er keine.
Die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ brachten nämlich im zuständigen Ausschuss einen Abänderungsantrag ein, in dem man zwar die "Grundsätze der Gleichstellung" hervorhebt.
Aber: Der landesübliche Empfang stelle "ein militärisches Zeremoniell" dar, der sich aus "der Tradition des kaiserlichen Österreich" ableite und in dieser Form "einzigartig in Österreich" sei. Änderung wird es also keine geben.
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